Hamburg - Und nun? Nach dem Olympia-Desaster von Hamburg blickt der deutsche Sport schweren und ungewissen Zeiten entgegen. „Es wird nicht leichter durch diese Ablehnung“, meinte Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), am Montag nach dem verlorenen Referendum: „Trotzdem haben wir den Anspruch, im Leistungssport weiter in der Weltspitze mitzumischen.“

Die Frage ist, ob der Bund nach dem klaren Nein zum Olympia-Projekt 2024, das Impuls und Katalysator für ein umfassendes Fitnessprogramm für den deutschen Sport sein sollte, noch zur entsprechenden Förderung bereit ist. Schließlich hatte Bundesinnenminister Thomas de Maizière bereits im Sommer klargemacht, dass er „mindestens ein Drittel mehr Medaillen“ bei Olympischen Spielen erwartet – ohne Aufstockung der staatlichen Unterstützung.

Deshalb könnte die laufende Inventur des Spitzensportsystems darauf hinauslaufen, dass die nach den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro geplante Reform lediglich zur Zentralisierung und zur Konzentration auf erfolgreiche Disziplinen statt der breiten Förderung führt. „Wir reden zunächst über Strukturen und mögliche Effizienzgewinne und erst anschließend über Geld“, sagte Vesper. Für DOSB-Präsident Alfons Hörmann war aber bei der Reform die „Verbindung zu den denkbaren Heimspielen 2024“ ein „wichtiger Punkt“ gewesen.

Als einen „Dolchstoß für die Entwicklung des Hochleistungs- und Breitensports unterhalb des Fußballs in Deutschland“ sieht der Volleyball-Präsident Thomas Krohne das Fiasko an der Waterkant, bei dem 51,6 Prozent gegen Olympia in der Hansestadt votierten.

Schließlich geht es nicht nur um den Umbau des Spitzensports, um mehr Medaillen und mehr Geld für Skispringen statt für Wasserball, sondern auch um Sportstättenbau und -sanierung sowie den Stellenwert des Sports in der Gesellschaft überhaupt.

DOSB-Chef Hörmann fürchtet, dass die „Zweiklassengesellschaft des deutschen Sports“ – Fußball und der Rest – nun weiter zunehmen wird. „Das Perverse ist, dass ich überzeugt davon bin, dass, wenn wir über die Fußball-EM 2024 abgestimmt hätten, wir sicherlich ein positives Ergebnis hätten“, sagte Ingo Weiss, Basketball-Präsident und Mitglied des DOSB-Präsidiums: „Deutschland ist leider keine Sport-Nation, sondern eine Fußball-Nation.“

Über viele Jahre abschreiben kann man zudem wohl eine neue Olympia-Bewerbung. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir es 2028 noch einmal versuchen, sondern halte es auch für geboten, uns eine Denkpause zu verordnen“, sagte Dagmar Freitag, die Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. Auch Freitag prognostiziert eine wachsende Konzentrierung auf den Fußball: „Ich fürchte, dass Deutschland bald nur noch Großereignisse im Fußball sehen wird.