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NWZonline.de Sport Fußball Internat. Nationalelf

Gnabry läuft Müller den Rang ab

15.11.2018

Leipzig „Müller, Müller“, schrien die rund 50 Kinder, als sich Thomas Müller in der Sporthalle des SV Lindenau durch einen abgesteckten Parcours schlängelte. Dann lupfte der Nationalspieler den Ball aus drei Metern aber nur an die Latte des kleinen Tores, und ein lautes „Ohhhh“ erfüllte den Raum. Als Müller dann auch noch ein Trick gründlich misslang, kicherte sogar das ein oder andere Kind.

Torjäger außer Dienst

„Im normalen Spiel darf ich ja auch flach schießen“, sagte Müller nach dem Vereinsbesuch vor dem Fußball-Länderspiel an diesem Donnerstag (20.45 Uhr/RTL) in Leipzig gegen Russland: „Ich hätte schon gerne ein Tor gemacht, so ist es nicht.“

Jedes noch so kleine Erfolgserlebnis ist beim Torjäger außer Dienst derzeit herzlich willkommen. In der Bundesliga hat der 29-jährige Profi von Bayern München seit Anfang September nicht mehr getroffen, im Trikot der Nationalmannschaft wartet Müller sogar seit acht Monaten auf ein Tor. Das von Louis van Gaal einst formulierte Diktum „Müller spielt immer“ gilt nicht mehr – weder beim FC Bayern noch in der Nationalmannschaft.

In beiden Teams hat ihm zurzeit Serge Gnabry den Rang abgelaufen. Der sechs Jahre jüngere Offensivspieler wurde zuletzt sowohl von Bayern-Coach Niko Kovac als auch von Bundestrainer Joachim Löw von Beginn an aufgestellt, während Müller auf der Bank Platz nehmen musste. Auch an diesem Donnerstag gegen Russland dürfte Gnabry wieder den Vorzug erhalten. Ein schlechtes Gewissen hat der frühere Spieler von Werder Bremen deswegen nicht: „Wenn ich draußen sitze, ist doch auch ein Hochkaräter draußen, oder?“

Gnabry ein „Lichtblick“

Das Selbstvertrauen des Sohnes eines Ivorers und einer Schwäbin dürfte trotz der 2:3-Niederlage der Bayern bei Borussia Dortmund am Samstag noch einmal gestiegen sein. Gnabry leitete beide Bayern-Tore ein und bewies eindrucksvoll, dass er einer der wenigen Münchner „Lichtblicke“ in dieser Saison ist, wie es Sportdirektor Hasan Salihamidzic ausdrückte. Müller indes agierte gegen Dortmund wieder einmal fleißig, aber glücklos.

Als 21-Jähriger hatte er sich mal als „Raumdeuter“ bezeichnet, der einen „gewissen Instinkt, ein Gefühl für die Räume“ besitzt. Diese Fähigkeiten besitzt Müller noch immer, nur kommt er oft eine Fußspitze zu spät, vertändelt im entscheidenden Moment den Ball oder wird von seinen Mitspielern übersehen. Wenn Müller aber keine Torgefahr ausstrahlt, hat er nicht mehr viele Argumente für einen Platz in der Startelf – weder bei Bayern München noch in der Nationalmannschaft.

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