Frankfurt - Die Schlammschlacht um die Sommermärchen-Affäre entwickelt sich voraussichtlich zum Fall für die Gerichte. Günter Netzer geht juristisch gegen Theo Zwanziger vor und droht dem früheren DFB-Präsidenten mit Klage. Zwanziger hat nun bis Freitag (14 Uhr) Zeit, um Behauptungen zu unterlassen, wonach er von Netzer erfahren habe, dass das Bewerbungskomitee die Stimmen der vier asiatischen Vertreter in der Fifa-Exekutive bei der Fußball-WM-Vergabe gekauft habe. Zwanziger zeigte sich unbeeindruckt und setzte seinen Nachfolger Wolfgang Niersbach mit weiteren Anschuldigungen unter Druck.
Wenn Zwanziger bei seiner Behauptung gegen Netzer bleibt, soll eine Unterlassungsklage folgen. „Entweder er verpflichtet sich, die Verleumdungen künftig zu unterlassen, oder er muss sich vor Gericht verantworten. Die Wahl liegt bei ihm“, sagte Netzers Anwalt Ralf Höcker. Dieser führte an, dass Netzers Frau bei dem Treffen im Herbst 2012 mit am Tisch gesessen habe und den Inhalt des Gesprächs bezeugen könne. „Sie kann bezeugen, dass Zwanziger lügt“, sagte der Jurist und Netzer betonte: „Ich weiß, dass ich solche Verleumdungen leider noch aufwerte, wenn ich den Rechtsweg beschreite. Aber es gibt einen Punkt, an dem man so etwas nicht mehr einfach ignorieren kann. Und der ist jetzt gekommen.“
Zwanziger blieb aber gelassen: „Es ist sein gutes Recht, seinen Standpunkt auf diesem Wege zu vertreten, wichtiger wäre es aber, zur Aufklärung beizutragen.“
Sein Nachfolger Niersbach geriet durch Aussagen Zwanzigers weiter in die Defensive. „Es war 2002 kein Alleingang von Franz Beckenbauer, die Führungsspitze des Organisationskomitees war eingeweiht, also Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Fedor Radmann“, so Zwanziger. Er schürte neue Spekulationen um einen Stimmenkauf vor der WM 2006, konkretisierte den Verdacht eines „Schmiergeldteppichs“ und verwies auf eine mögliche Bestechung des Fifa-Funktionärs Charles Dempsey. Dies lässt sich aus einer Notiz ableiten, die Zwanziger in einem 2012 veröffentlichten Dokument aus dem Verfahren gegen den ehemaligen Rechtevermarkter ISL gemacht hat.
In der Auflistung von Überweisungen steht neben einem Geldtransfer am 5. Juli 2000 über 250 000 US-Dollar die Bemerkung: „Dempsey!“ Dass der Neuseeländer bei der Vergabe einen Tag später in der letzten Runde keine Stimme abgegeben hatte, sicherte Deutschland im Duell mit Südafrika den WM-Zuschlag.
Im Zentrum der Affäre steht eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die laut Niersbach an die Finanzkommission der Fifa gegangen sein soll. Zwanziger sprach von einer „schwarzen Kasse“. Den Vorwurf des Stimmenkaufs wies der DFB zurück.
