Zuzenhausen - Nach einem spektakulären Rundumschlag wagt 1899 Hoffenheim sieben Spieltage vor dem Saisonende den Neustart. Der Fußball-Bundesligist entließ am Dienstag Trainer Marco Kurz und Manager Andreas Müller. Der Club will sich mit dem neuen Coach Markus Gisdol (43) auf alte Werte besinnen.

Auch eine Rückkehr des ausgemusterten Ex-Bremers Tim Wiese in das Tor ist im Kampf gegen den drohenden Abstieg möglich. „Jeder wird eine neue Chance erhalten, egal wer“, sagte Gisdol, einst Assistent von Huub Stevens bei Schalke 04 und ehemaliger Coach der 1899-Reserve. Müllers Nachfolge tritt der bisherige Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, Alexander Rosen, an.

Das Misstrauen in Kurz und Müller war offenbar schon vor dem Spiel in Gelsenkirchen groß gewesen. Gisdol erklärte, er sei schon am Donnerstag, also zwei Tage vor dem 0:3 bei Schalke 04, kontaktiert worden. Dabei wurde noch über ein Engagement zur kommenden Saison gesprochen. „Am Sonntag folgte ein weiteres Telefonat, indem es darum ging, sofort einzusteigen“, sagte Gisdol, der einen Dreijahresvertrag bis 2016 unterschrieb.

Man wolle einen „konsequenten Neuaufbau und ein Zurückkommen auf unsere Ursprungs-Idee“, sagte Geschäftsführer Frank Briel am Dienstag. Deshalb sei man „froh, jemanden zu bekommen, der Hoffenheim und das, was Hoffenheim in seiner Grund-Philosophie ausgemacht hat, kennt.“

Gisdol erklärte kämpferisch: „Ich habe die Hoffenheimer Philosophie in Fleisch und Blut. Deshalb bin ich hier.“ Die Rückbesinnung auf alte Werte war auch schon bei den Vorstellungen von Müller und Kurz, dessen Assistent Günther Gorenzel ebenfalls entlassen wurde, beschworen worden.

Müller zeigte sich am Dienstag enttäuscht und geschockt: „Ich muss das alles erst einmal in Ruhe für mich sacken lassen. Mehr kann und möchte ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.“ Der Ex-Profi, der am 18. September 2012 den vakanten Managerposten übernommen hatte, um den damaligen 1899-Trainer Markus Babbel zu entlasten, bekam die Probleme in Hoffenheim nicht in den Griff.

„Wir haben noch eine realistische Chance auf den Klassenerhalt“, sagte Gisdol, dessen Vertrag auch für die Zweite Liga gilt. „Wir werden nach der Saison jeden Stein umdrehen“, kündigte er an.