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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball-Bundesliga: Werder und HSV streiten um Flüchtling Jatta

11.01.2016

Belek Die erbitterte Rivalität zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen treibt skurrile Blüten. Gerade wieder in Belek, wo sich die beiden Fußball-Bundesligisten, Luftlinie keine vier Kilometer voneinander entfernt, einquartiert und jeweils eine Fanreise organisiert haben. Am Sonnabend hatten nun die Bremer Anhänger in der Türkei nichts Besseres vor, als einen Bus zu chartern, der sie zum ersten HSV-Testspiel brachte, um den Erzfeind gegen Ajax Amsterdam verlieren zu sehen. Aus ihrer Sicht hatte sich die kurze Reise gelohnt: Alle Gegentore bei der 1:3-Schlappe wurden mit Bremer Schmähgesängen bedacht. Die Hamburger Seite reagierte mit Kopfschütteln.

Überhaupt liegt ja einige Verstimmung in der Luft. Wegen jemandem, der gar nicht mit an die türkische Mittelmeerküste ins Trainingslager gereist ist, aber dennoch das Tuschel-Thema auf den gelben Plastiksitzen darstellte: Bakery Jatta, angeblich erst 17 Jahre alt. Flüchtling aus Gambia, seit sechs Monaten in Bremen untergebracht.

Als er vor einigen Wochen bei Werders Nachwuchs vorspielte, war man angetan. Er sollte einen Vertrag bei den U-19-Junioren bekommen, dann machte er als Gastspieler bei der U 23 zwei Tore. Vor den Augen von Bundesliga-Trainer Viktor Skripnik. Doch Jatta wird wohl kein Grün-Weißer, sondern womöglich bald den Rothosen angehören.

Früher hat Werder Spieler wie Norbert Meier, Frank Neubarth, Thomas Wolter oder Ivan Klasnic in oder um Hamburg gefunden. Schnappt ausgerechnet der HSV dieser Tage Werder ein Juwel weg? Am Freitag absolvierte Jatta den Gesundheitscheck in Hamburg. Sportchef Peter Knäbel: „Wenn wir nicht interessiert wären, würden wir so einen Check nicht machen.“ Einige Tage Probetraining haben gereicht, um Cheftrainer Bruno Labbadia zu überzeugen. Berater Efe-Firat Aktas wollte am Sonntag auf Anfrage den Vollzug nicht bestätigen: „Es prasselt gerade viel auf den Jungen ein. Es geht um sein Wohlbefinden. Aber es stimmt: Er hat bei Bruno Labbadia sofort ein gutes Gefühl gehabt.“ Allerdings gebe es Interesse mehrerer Bundesligisten.

Testspiele der beiden Nordclubs

Werder Bremen bestreitet im Trainingslager in Belek bis zum 16. Januar noch zwei Testspiele. Am Freitag geht es um 11 Uhr zunächst gegen den aserbaidschanischen Erstligisten FK Inter Baku. Um 14 Uhr folgt eine Partie gegen den österreichischen Erstligisten Austria Wien. Der HSV trifft im Trainingslager an der türkischen Riviera an diesem Dienstag (15.30 Uhr) auf den Drittligisten Rot-Weiß Erfurt. Für Freitag, 16.30 Uhr, ist der Test gegen den Schweizer Vizemeister Young Boys Bern terminiert.

Auch Aktas war beim HSV- Testspiel vor Ort. Sein Draht zu Hamburgs Clubchef Dietmar Beiersdorfer soll bestens, sein Verhältnis zu Bremens Geschäftsführer Thomas Eichin hingegen so abgekühlt sein wie nachts die Temperaturen in Belek. Eichin kam Sonnabend eigens in die Medienrunde, um seinen Unmut loszuwerden. „Ich bin das ganze Theater um Bakery Jatta leid. Das sind Dinge, die uns gar nicht gefallen.“

Unverhohlen war bei ihm von Preistreiberei die Rede. „Der Junge hat vorgespielt. Er hat auch einen vernünftigen Eindruck gemacht, aber er hat keinerlei Ausbildung genossen, das muss man auch sehen. Wir haben für solch einen Fall unsere Richtlinien und unsere Preise.“

Der athletische Jatta, der nicht mit in ein Trainingslager fliegen konnte, weil die Aufenthaltserlaubnis nur für Deutschland gilt, stammt aus einem Dorf namens Gungur in Gambia. Smiling Coast, die lächelnde Küste, heißt es dort, erzählte er im November: „In Gambia gibt es kaum Strukturen. Aber der Fußball wird immer beliebter. Ich habe alles auf der Straße gelernt. Irgendwann habe ich versucht, mich Mannschaften anzuschließen. Das waren aber eher selbstorganisierte Teams.“

Über die Flucht nach Deutschland, die er allein antrat, mochte er nicht wirklich sprechen. Sie ging mitten durch die Sahara, übers Mittelmeer. Fast ein halbes Jahr Tortur. Wie ihn das aufgewühlt haben muss, zeigt die Anekdote vor seinem ersten Einsatz in Werders U 23. Als ihm sein Betreuer sagte, er brauche nicht nervös sein, habe er nur gelacht: Wer Todesangst auf dem offenen Meer verspüre, den beunruhige doch kein Fußballspiel.

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