Bremen - Donnernder Applaus, stehende Ovationen und das Werder-Lied unmittelbar nach dem Abpfiff. Wer sich am Sonnabend um 17.20 Uhr gerade vor dem Weserstadion befand und nur seinem Gehör vertrauen konnte, der musste den Eindruck haben, dass das Team von Trainer Robin Dutt einen Sieg errungen hatte. Dem Fußball-Bundesligisten Werder Bremen aber war gegen Schalke 04 lediglich ein 1:1 (1:1) gelungen, doch die Art und Weise, wie die Grün-Weißen dabei agiert hatten, nötigte allen Besuchern und Beteiligten höchstes Lob ab.

„Das war gegen einen starken Gegner über 90 Minuten sicher die stärkste Leistung der Saison“, sagte Manager Thomas Eichin.

Mit hohem läuferischen Aufwand, bissiger Zweikampfführung und mutigen Offensivaktionen stellte Werder den Tabellen-Dritten vor große Problemen. Logische Folge der vielen gelungenen Kombinationen war in der 15. Minute das 1:0 durch Franco di Santo nach feiner Vorarbeit von Eljero Elia. Und wenn di Santo nur zwei Minuten später nach Pass von Aaron Hunt statt des Pfostens erneut das Tor getroffen hätte, dann wären die „Knappen“ wohl zum ersten Mal seit dem 1:5 am 12. April 2008 wieder als Verlierer aus Bremen abgereist. „Wir hätten dieses eine Tor mehr heute einfach verdient gehabt“, sagte Eichin.

Zu Beginn wirkten die durch Werders Angriffswirbel verblüfften Gäste sogar gereizt. So hätte sich Kevin-Prince Boateng nicht beschweren dürfen, wenn er nach einem Foul und zwei Handspielen schon nach rund einer Viertelstunde mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen worden wäre. Schiedsrichter Peter Sippel aber meinte es am Sonnabend mehrmals gut mit den Schalkern. „In unserer besten Phase bekommen sie Freistöße nach Zweikämpfen, die sie gar nicht gewonnen haben“, sagte Werder-Trainer Robin Dutt. Umso ärgerlicher, dass eine dieser umstrittenen Situationen dem Ausgleich von Leon Goretzka vorausging (33.). Werder aber zeigte auch mentale Stärke, blieb dem Siegtreffer bis zum Schluss stets klar näher und knüpfte nahtlos an die gute Leistung vom Hannover-Spiel an.

Welcher Ruck da allerdings wie aus dem Nichts durch das Team gegangen ist, konnte selbst Dutt nicht erklären. „Nach dem 1:3 gegen Wolfsburg habe ich im Training eine Veränderung bemerkt. Und auch beim Pausen-Rückstand in Hannover wirkten die Jungs trotziger als sonst. Es scheint, als hätten sie all die Dinge, die wir in den vergangenen neun Monaten geübt haben, unter der Decke gehalten und diese nun plötzlich mit einem Ruck weggezogen“, sagte der 49-Jährige.

Das Verflixte an der erfrischenden Spielweise gegen Schalke ist allerdings, dass durch das Remis der Vorsprung auf Platz 16 wieder auf sechs Punkte geschmolzen ist. „Wir haben zu keinem Zeitpunkt gesagt, dass wir schon durch sind“, erklärte Philipp Bargfrede. Dennoch scheint ein Rückfall nicht mehr zu drohen. Weil es nach Fußball aussieht, wie Werder zu seinen Ergebnissen kommt.