OLDENBURG - Der Brasilianer traf aus über 62 Metern. Den Entfernungsrekord hält aber weiter Werder-Manager Klaus Allofs.

Von Jan zur Brügge

OLDENBURG - 62,60 Meter, 63,14 Meter oder doch 66,80 Meter – über die exakte Entfernung gab es nach Diegos spektakulärem Treffer in der Nachspielzeit gegen Alemannia Aachen keine Einigkeit, über die Einordnung schon. „Ist er am Ball, kann einfach alles passieren“, konnte auch Werders schwedischer Stürmer Markus Rosenberg nach dem 3:1-Heimsieg der Bremer in der Fußball-Bundesliga ein staunendes und zugleich bewunderndes Blitzen der Augen nicht verbergen.

„Weltklasse – in dieser Situation würden einige schießen. Ob sie aber ausreichend Gefühl im Fuß hätten, um zu treffen, ist fraglich“, sagte Frank Baumann, der Werder erstmals seit dem elften Spieltag als Kapitän aufs Feld führte. Der gleichen Meinung war auch Miroslav Klose: „So ein Tor schießt nicht jeder.“ Der Torjäger blieb beim Bremer Sturmlauf nach dem frühen 0:1 durch Sergio Pinto (2.) zwar ohne Treffer, leitete mit seiner Vorlage auf Daniel Jensen aber die Wende ein. Der Däne kam nach der Pause zusammen mit Rosenberg ins Spiel, und die skandinavischen Joker brachten Werder schnell in Front (50., 55.).

Mit dem Sieg am Freitagabend übernahm Werder bis zum 2:0 der Schalker gegen Cottbus Platz eins. „Es hat mich immer gestört, aufzustehen und uns nur auf Platz zwei zu sehen – wir sind heiß auf den Titel“, sagte Torsten Frings, der am Tag zuvor noch bei einer Pokerveranstaltung im Fernsehen nur Vorletzter geworden war. „Ihr habt alle gesehen, wie schlecht ich pokere – ich spiele halt immer mit offenen Karten“, konnte er sich eine kleine Anspielung auf sein persönliches Pokerspiel um einen möglichen Wechsel zu Juventus Turin nicht verkneifen. Zu weiteren Auskünften war er in Sachen „böse T-Frage“ aber nicht bereit.

Ohnehin drehte sich nach der Partie fast alles um Diego. „So ein Tor habe ich noch nicht gesehen“, gestand Werder-Coach Thomas Schaaf und fügte an: „Gerade hatte ich auf der Bank gesagt, dass er Ruhe reinbringen müsste – aber Diego hatte eine bessere Idee.“ In der Liste der Tore mit der größten Entfernung führt aber weiter Klaus Allofs. Der jetzige Werder-Manager soll 1986 für Köln gegen Leverkusen aus 70 Metern getroffen haben, schränkte aber am Freitag schmunzelnd ein: „Das war aber nicht so schön wie dieses.“