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NWZonline.de Sport Fußball

Aufstieg des Sports begann nach 1918

06.11.2018

Oldenburg 2:2 stand es am 31. Mai 1914 im Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft in Magdeburg zwischen der Spielvereinigung Fürth und dem VfB Leipzig in der Verlängerung. Den Siegtreffer zum Titelgewinn für die Fürther erzielte Karl Franz in der 154. Minute. Damals wurde noch bis zur Entscheidung gespielt, Elfmeterschießen und ein Wiederholungsspiel waren noch nicht vorgesehen.

Autor dieses Beitrages ist Prof. Dr. Lorenz Peiffer aus Westerstede. Der Sporthistoriker lehrte jahrelang an der Universität Hannover.

Sechs Jahre lang sollten die Fürther Fußballer den Titel führen. Den ersten Nachkriegsmeistertitel errang der 1. FC Nürnberg durch einen 2:0-Sieg am 13. Juni 1920 gegen eben jene Fürther.

Mit der Kriegserklärung des Deutschen Kaiserreiches am 3. August 1914 an Frankreich und dem anschließenden Überfall auf Belgien begann der Erste Weltkrieg. Dieser Krieg kam für die Deutschen weder überraschend, noch war er unerwünscht. Bereits mit der Mobilmachung am 1. August 1914 hatte das Militär das Kommando auch über den deutschen Sport übernommen. Sportveranstaltungen wurden kurzfristig abgesagt, Pferde für den Kriegseinsatz requiriert, Turnhallen zu Lazaretten umgestaltet.

Der Aufruf von Kaiser Wilhelm II., „ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur Deutsche!“, war für Millionen deutscher Männer das Signal, als Kriegsfreiwillige zu den Waffen zu eilen. Die ehemals sich in absoluter Gegnerschaft gegenüberstehenden bürgerlichen Sportler und Arbeitersportler zogen jetzt Hand in Hand unter dem Jubel der deutschen Bevölkerung in den Krieg. Mannschafts- und abteilungsweise meldeten sich die Sportler für den Kriegseinsatz. Vereine wetteiferten miteinander, welcher Verein die Mehrzahl der Kriegsfreiwilligen aufbieten konnte. Bei zahlreichen Vereinen war die Mehrzahl der männlichen Mitglieder dem Ruf des Kaisers gefolgt. Bereits ein Jahr nach Kriegsausbruch waren etwa neun Millionen Männer an der Front und in der Etappe.

Der ersten Euphorie, mit der die Männer in den Krieg gezogen waren und der Hoffnung auf einen schnellen deutschen Sieg, folgten rasch Ernüchterung und Enttäuschung. An der ‚Heimatfront‘ sicherten Frauen die Produktion in der deutschen Rüstungsindustrie und um Versorgungsengpässe auszugleichen, wurden Sportplätze zu Ackerflächen umfunktioniert. Trotz dieser sich stetig verschlechternden Rahmenbedingungen versuchten die Turn- und Sportvereine, ihren Betrieb aufrecht zu erhalten, auch wenn so mancher Verein um seine Existenz kämpfte. Dem Norddeutschen Fußballverband gelang es in der Saison 1916/17 erstmals wieder, eine Verbandsmeisterschaft zu organisieren. Norddeutscher Kriegsmeister 1917 wurde die Elf von Borussia Harburg. Die beiden anschließenden Spielzeiten fielen erneut den Kriegsereignissen und den Folgen zum Opfer.

Zu einer denkwürdigen Begegnung zwischen deutschen und englischen Soldaten war es am Weihnachtsfest 1914 gekommen. Nachdem sie sich tags zuvor noch erbittert bekämpft hatten, kam es am Heiligen Abend zu Verbrüderungsszenen. Es wurde gemeinsam gesungen, Geschenke wurden ausgetauscht – und: Deutsche und Briten spielten gegeneinander Fußball. Dass dieser „Christmas Truce“, unter dem dieses ‚Weihnachtswunder‘ in Großbritannien bekannt geworden ist, keine Legende ist, hat die Wissenschaft mehrfach bestätigt.

Im Gegensatz dazu entwickelte sich hinter der Kriegsfront ein umfangreicher Sportbetrieb. Die militärische Führung erkannte schnell die positive Wirkung des Sports zur Stärkung der Moral der Soldaten. Sportfeste wurden organisiert, in den Etappenstädten Mannschaften gegründet und ein geordneter Spielbetrieb ins Leben gerufen. Daneben gab es auch „wilde“ Spiele. Wo immer sich eine Gelegenheit zum Fußballspielen bot, wurde gekickt. Stahlhelme bildeten die Tore, etwas „Rundes“ ließ sich immer finden. Vor allem an der Westfront nahm der Spielbetrieb im Laufe der Kriegsjahre stark zu. Unfreiwillig förderte der Erste Weltkrieg die Popularisierung des Fußballsports und trug nicht unwesentlich dazu bei, dass der Sport sich in den 1920er-Jahren zu einem Massenphänomen entwickeln sollte.

Die Austragung der Olympischen Sommerspiele 1916 war 1912 vom Internationalen Olympischen Komitee an Berlin vergeben worden. Mit großem Pomp weihte der deutsche Kaiser das Deutsche Stadion bereits 1913 ein. In der Hoffnung auf einen schnellen deutschen Sieg liefen die Vorbereitungen für die Spiele nach dem 1. August 1914 weiter. Zu Beginn des Jahres 1916 gaben die Berliner Organisatoren die Spiele an das IOC zurück, sie wurden noch im Januar 1916 vom IOC endgültig abgesagt.

Wenige Tage nach dem Matrosenaufstand endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens am 11. November 1918 der Erste Weltkrieg, der die deutsche Gesellschaft nachhaltig verändert hatte. Mehr als zwei Millionen Tote und Tausende körperlich und seelisch Verletzte hatte der Krieg gefordert. Mit der Einführung des Frauenwahlrechts wurde die neue gesellschaftliche Stellung der deutschen Frauen anerkannt, die auch Auswirkungen auf den Frauensport nehmen sollte. Die Einführung des Achtstundentages brachte der arbeitenden Bevölkerung mehr Freizeit und damit auch mehr Freiräume zum Sporttreiben. Innerhalb weniger Jahre verzehnfachte der Deutsche Fußball-Bund seine Mitgliederzahl. Sport wurde zu einem Massenphänomen für Aktive und Zuschauer.


Mehr Artikel zum Ende des Ersten Weltkriegs:   www.nwzonline.de/matrosenaufstand 
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