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Fußball Abstieg oder Klassenerhalt – HSV-Krise spaltet Fans

OLDENBURG - Noch tickt sie, die große Uhr in der Fan-Kurve des Hamburger Volksparkstadions. Die 20 Meter breite Digitalanzeige an der Nordtribüne, wo die treuesten Anhänger des Fußball-Bundesligisten stehen, zeigt die Zeit an, seit der der HSV in der Bundesliga spielt – heute genau seit 48 Jahren und 219 Tagen.

Dass diese Uhr in den kommenden Wochen stehen bleiben könnte, davor fürchten sich derzeit ganz viele HSV-Anhänger. Für einige Fans steht das Unvorstellbare sogar bereits fest: Das Bundesliga-Gründungsmitglied steigt erstmals ab. „Bei uns hält es sich die Waage“, beschreibt Jürgen Frers aus Varel die Stimmung unter den 42 Mitgliedern des Fanclubs „Freies Friesland“: „Viele sagen: Das war es! Viele sagen: Der HSV ist noch nie abgestiegen, der schafft das wieder!“

Sieben „Endspiele“ (Trainer Thorsten Fink) verbleiben den Hamburgern, um das Ruder noch rumzureißen. Das erste findet an diesem Sonnabend (15.30 Uhr) beim 1. FC Kaiserslautern statt. Alleine der Protagonist, der dieses Kunststück vollbringen soll, ist nach Ansicht der Anhänger nicht in Sicht.

„Es fehlt jemand, der das Spiel in brenzligen Situationen entscheiden kann“, sehnt sich Frers nach einem Mann wie Rafael van der Vaart. Der Niederländer war der Garant für den Aufschwung in der Saison 2006/2007. Damals überwinterte der HSV als 17. und kletterte unter Huub Stevens, der Thomas Doll als Trainer abgelöst hatte, in der Abschlusstabelle noch auf Platz 7 und schaffte den Sprung in den Europapokal.

Dieses Ziel ist diesmal weit weg. „Platz 15“, wünscht sich Uwe Pape, Vorsitzender des Fanclubs „Lappanrauten“ aus Oldenburg, zum Ende der laufenden Spielzeit: „Mindestens“. Denn den Relegationsplatz 16 will eigentlich auch keiner gerne belegen. „Eine Relegation gegen den FC St. Pauli wäre der Super-Gau“, meint Ralph Barsties vom HSV-Fanclub Petersdorf (Kreis Cloppenburg): „Dem sollte man unbedingt aus dem Weg gehen.“

Trotz der prekären Lage setzen die Fans aus dem Nordwesten vor allem auf eines: bloß den Kopf nicht verlieren. „Der Vorteil ist: Der HSV hat es noch selbst in der Hand“, verweist Barsties auf das Restprogramm gegen die direkten Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. „Es müssen Siege gegen Lautern, Mainz und in Augsburg her“, sagt der Petersdorfer. So sieht es auch Pape: „Klar, es ist nicht alles positiv“, meint er. Man sollte aber auch „nicht die große Panik schieben und alles in Frage stellen“. Den Wunsch der Fans nach Ruhe erfüllen die Hamburger ihnen derzeit aber nicht.

„Es gibt zu viele Charaktere, die die eigenen Belange vor die Belange der Mannschaft stellen“, hat HSV-Fan Barsties als Hauptgrund für die Krise ausgemacht. „Der Umbruch zu Saisonbeginn war zu krass“, ergänzt Uwe Pape. „Wenn man drei Viertel der Mannschaft austauscht, muss entsprechende Qualität dazu kommen – sonst spielt man eben gegen den Abstieg.“

„Das Spiel in Kaiserslautern ist das Schlüsselspiel“, betont Jürgen Frers, der selbst zur Fraktion der Skeptiker gehört. „Ich habe schon nach der Niederlage in Wolfsburg aufgegeben“, gibt er enttäuscht zu. Dennoch hat auch der 47-Jährige, der seit 40 Jahren HSV-Fan ist, ein Fünkchen Rest-Hoffnung, dass die große Digitaluhr im Stadion auch nach dem Saisonende noch tickt.

 @ Die HSV-Bundesliga-Uhr unter

http://www.hsv.de

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)
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