OLDENBURG - Als er 1974 zur Weltmeisterschaft nach Deutschland kam, war er das Symbol des porentief reinen Amateurs. Damals hatte Manfred Schäfer Glück: Der hauptberufliche Milchmann fand zu Hause eine Vertretung, so dass er als Spieler mit der Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft reisen konnte.

Der heute 67-Jährige kehrte damit in das Land zurück, in dem er seine Jugend verbracht hatte. Er wurde zwar 1943 im ostpreußischen Pillau geboren, wuchs aber in Bremen auf. Von hier zog es ihn mit seiner Familie 1957 nach Australien.

Schäfer war blonder Hüne, der auf Bildern außerhalb des Fußballplatzes in seiner weißen Milchmannkleidung abgelichtet war und dessen Markenzeichen seine mächtigen Koteletten waren. Dem Mann reichte ein Ausfallschritt, um einen Gartenzaun zu übersteigen. Und das mit sechs Flaschen Milch am Arm.

In der Freizeit arbeitete er an seinen Talenten, zu denen auch der Fußballsport gehörte. 1960 begann er seine Karriere in Blacktown, wo er bis 1963 spielte. Danach zog es den kräftigen Verteidiger zum Fußballclub St. George nach Sydney. Schäfer machte sich in Australien einen Namen und bekam 1967 seine erste Berufung in die Nationalmannschaft seiner neuen Heimat – 78 weitere sollten folgten. Dabei langte es zu einem Treffer. Nach der WM in Deutschland beendete er seine Karriere. Dem Fußball blieb er als Trainer treu.

Die Qualitäten Schäfers lagen in der Abwehr, wo er seinen Gegenspielern das Leben schwer machte. Nachdem die Australier die Qualifikation für die WM 1970 in Mexiko knapp verpasst hatten, wurden die Titelkämpfe vier Jahre später in Deutschland zum Höhepunkt seiner Karriere. Nach der 0:2-Niederlage gegen die DDR kam es zum Kräftemessen mit dem westdeutschen Team. Für Schäfer erfüllte sich ein Traum, denn sein Gegenspieler hieß Gerd Müller. Dass der Münchner beim 3:0-Sieg nur einen Treffer schoss – die anderen steuerten Bernd Cullmann und Wolfgang Overath bei –, war auch der Verdienst von Milchmann Schäfer.