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NWZonline.de Sport Fußball

Ex-Oldenburger Mustafa Azadzoy dreht in Fernost auf

17.11.2017

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Frage: Wie kommst du mit dem November-Wetter in Deutschland zurecht?
Mustafa Azadzoy: Es ist schon eine große Umstellung, wenn man im Herbst von Thailand nach Deutschland kommt. In Bangkok sind es zurzeit rund 27 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit. Der Unterschied ist schon enorm. Dazu kommt, dass ich mir durch das feuchtkalte Wetter eine kleine Erkältung eingefangen habe.
Frage: War es für dich schwer, sich an das feuchtwarme Klima in Thailand zu gewöhnen?
Azadzoy: Ja, anfangs hatte ich teilweise sogar Atemschwierigkeiten auf dem Platz. Aber nach zwei bis drei Wochen hatte ich mich an das Wetter gewöhnt. Nun kann ich damit gut umgehen.

Karriere begann in Delmenhorst

Mustafa Azadzoy wurde am 24. Juli 1992 in Kabul geboren. Seine Eltern und seine Geschwister flüchteten 1993 nach Deutschland, wo sie ihr Weg über Hamburg nach Delmenhorst führte. Azadzoy begann seine fußballerische Karriere beim Delmenhorster BV, ehe er im Alter von 16 Jahren zum VfL Oldenburg wechselte. Von 2011 bis 2013 spielte er für den VfB Oldenburg, für den er in 20 Spielen zwei Tore erzielte. Beim TB Uphusen gelangen ihm zwischen 2013 und 2016 in 54 Oberligaspielen 15 Tore. Im Juni 2016 wechselte er zum Nara United FC in die 3. thailändische Liga. Nach Ablauf der Saison ging er zum Zweitligisten Chainat Hornbill FC. In der kommenden Saison wird er für Chiangrai United in der Premier League auflaufen. Azadzoy, der sowohl einen deutschen als auch einen afghanischen Pass besitzt, hat für Afghanistan inzwischen 23 Länderspiele absolviert, in denen er drei Treffer erzielte.

Frage: Und auch die Ernährung ist eine ganz andere…
Azadzoy: Ja, man muss aufpassen, was man isst. Die thailändische Küche ist im Allgemeinen sehr scharf. Aber auch dabei setzt nach einer gewissen Zeit eine Gewöhnung ein. Trotzdem sollte man in Restaurants schon auf die Kennzeichnung der Speisen achten. Wenn die Thailänder schreiben, dass es scharf ist, ist es das auch.
Frage: Das heißt, du kannst thailändisch sprechen und lesen?
Azadzoy: Nein, nein. Ich kann ein paar Worte thailändisch sprechen und werde im nächsten Jahr auch einen Sprachkurs belegen, um mich besser verständigen zu können. Auf dem Platz verständigen wir uns mit einigen thailändischen Worten oder auf Englisch. Und die thailändische Schrift ist eher ein Fall für sich (lacht).
Frage: Und wie hast du dich mit dem Trainer verständigt?
Azadzoy: Auf Deutsch (lacht). Dennis Amato ist Deutscher und hat für Mainz 05 II in der Oberliga Südwest gespielt.
Frage: Du bist im Juni 2016 nach Thailand gewechselt und hast dort in der Thai Division 2, der dortigen dritten Liga, bei Nara United einen Vertrag unterschrieben. Dort habt ihr als Vizemeister nur knapp den Aufstieg in die 2. Liga verpasst. Vor der abgelaufenen Saison bist du zum Chainat Hornbill FC in die Division 1 gewechselt. Wie kann man den thailändischen Fußball von der Spielstärke her einordnen?
Azadzoy: Die Spitzenteams der Thai Premier League könnten meiner Meinung nach in Deutschland in der 3. Liga mithalten. Die anderen Mannschaften haben eher Regionalliganiveau. Aber in Thailand tut sich viel, viele ausländische Trainer und auch Spieler heben das Niveau immer weiter an. So habe ich zum Beispiel in der abgelaufenen Spielzeit mit dem Franzosen Florent Sinama-Pongolle zusammen gespielt. Er gewann 2005 mit Liverpool die Champions League. Er ist ein unheimlich routinierter Spieler, der uns jüngeren mit seiner Erfahrung weiterhilft. Er gibt uns viele Tipps und Anweisungen auf dem Spielfeld. Er hat mich unheimlich geformt. Unser Mittelfeldspieler Gorka Velasco hat bei Real Madrid in der zweiten Mannschaft und in der österreichischen Bundesliga für St. Pölten gespielt.
Frage: Das klingt so, als wenn Thailand ein Paradies für alternde ausländische Profis ist?
Azadzoy: Nein, denn es gibt eine strenge Regelung, was das Ausländerkontingent angeht. Im Kader dürfen nur fünf Ausländer stehen, während des Spiels dürfen nur vier Ausländer auf dem Platz sein. Einer davon muss im Besitz eines asiatischen Passes sein.
Frage: Und da hilft deine doppelte Staatsbürgerschaft?
Azadzoy: Mein afghanischer Pass gilt als Asiatisch. Das ist natürlich ein kleiner Vorteil, aber im Endeffekt zählt nur die Leistung, die man im Training und auf dem Platz bringt.
Frage: Du hast mit elf Toren und zwölf Vorlagen maßgeblichen Anteil am direkten Wiederaufstieg in die Premier League mit dem Chainat Hornbill FC gehabt. Nun wechselst du zu Chiangrai United. Hast du es nun als Fußballer geschafft?
Azadzoy: Ja, ich habe dort für zwei Jahre unterschrieben. Ich freue mich auf die neue Aufgabe und viele neue Eindrücke. Aber nein: Ich habe es nicht geschafft. Ich kann mich immer noch weiter entwickeln und möchte auf und neben dem Platz noch vieles lernen. Natürlich ist es ein Traum, als Fußballprofi sein Geld zu verdienen. Aber es hängt von vielen Kleinigkeiten ab, ob man es schafft, in den oberen Ligen zu spielen oder nicht. Man muss sich jeden Tag neu beweisen und hart an sich arbeiten. Wer sich zu früh mit dem Erreichten zufrieden gibt, wird es nicht schaffen, als Profi zu spielen.
Frage: Wie muss man sich den Alltag in der thailändischen Liga denn vorstellen? Stundenlange Busfahrten zu den Auswärtsspielen und kleine Stadien sowie schlechte medizinische Versorgung?
Azadzoy: Nein, ganz im Gegenteil. Zu den meisten Spielen sind wir von Bangkok aus geflogen, denn Thailand ist enorm groß. Die Stadien haben zwischen 6000 und 25 000 Plätze. Selbst in der 2. Liga war die Betreuung im gesundheitlichen Bereich hervorragend. Wir haben zweimal am Tag trainiert. Das erste Training fand morgens um 8 Uhr statt, damit man der Hitze entgeht. Das zweite Training fand um 17 Uhr statt. Dazwischen war man noch im Fitnessraum oder ist massiert worden.
Frage: Am Anfang deiner Karriere hattest du ja häufiger mit Verletzungen zu kämpfen.
Azadzoy: Ja das stimmt. Inzwischen bin ich aber extrem stabil im Körper geworden. Durch die guten Rahmenbedingungen habe ich so gut wie keine Verletzungen mehr. Die Betreuung durch den Verein ist durchaus mit dem Profifußball in Europa vergleichbar.
Frage: Was erwartet dich bei deinem neuen Verein?
Azadzoy: Chiangrai United ist in der abgelaufenen Saison Vierter in der Meisterschaft geworden. Das ist noch mal eine neue Herausforderung, sich bei so einem starken Verein zu beweisen.
Frage: Wirst du denn auf der Straße inzwischen als Fußballprofi erkannt?
Azadzoy: Ja, natürlich. Aber nicht unbedingt wegen des Fußballs, natürlich fallen wir Europäer und Südamerikaner auf der Straße eher auf. Abseits der Touristenhochburgen und der Hauptstadt Bangkok gibt es nun mal nicht allzu viele Europäer. Chiang Rai liegt im Norden von Thailand und ist von der Größe her ungefähr wie Delmenhorst. Dort werden auch nicht allzu viele Europäer rumlaufen (lacht).
Frage: Du hast für zwei Jahre unterschrieben. Wirst du danach nach Deutschland zurückkehren?
Azadzoy: Im Moment plane ich, noch vier bis fünf Jahre in Asien zu spielen. Danach werde ich nach Deutschland zurückkehren und mein Studium der europäischen Wirtschaft und Verwaltung an der Hochschule Bremen beenden. Falls es die Zeit zulässt, würde ich gerne nebenbei weiter Fußball spielen.
Frage: Was wäre denn ein fußballerischer Traum?
Azadzoy: Ein Traum wäre es, in China zu spielen. Die Fans dort sind fantastisch, die Stadien sind meist voll. Viele ausländische Stars kicken dort in der Liga. Es wäre klasse, mit solchen Stars zusammen zu spielen.
Frage: Wie lange bleibst du in Deutschland?
Azadzoy: Ich bin für rund drei Wochen hier. Die Saison in Thailand geht von Februar bis November.
Frage: Diese Zeit ist natürlich mit vielen Terminen ausgefüllt. Ist das nicht stressig?
Azadzoy: Ich würde das nicht als Stress bezeichnen. Natürlich möchte ich viele Familienmitglieder oder alte Freunde treffen, aber es ist nicht stressig, sondern schön. Es ist eine Freude, die Menschen hier zu treffen.
Frage: Bei deinem nächsten Besuch in Deutschland wirst du als Schirmherr eines Kinderturniers auftreten...
Azadzoy: Ja. Wir planen ein Charity-Turnier für 40 Jugendmannschaften. Wir wollen das Ganze in Delmenhorst stattfinden lassen. Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie ihre Ziele durch Sport erreichen können. Daneben wollen wir so einen kleinen Beitrag für die Integration von ausländischen Jugendlichen leisten. Ich denke, dass der Sport – und insbesondere der Fußball – dabei eine große Rolle spielen kann.
Volkhard Patten
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