OLDENBURG - Transfers liefen im Profifußball lange Zeit wie folgt ab: Der neue Verein zahlte für einen Spieler an den abgebenden Verein eine Ablösesumme, Berater und Spieler erhielten eine Provision bzw. ein Handgeld, und für den kleinen Heimatverein des Stars gab es im Nachhinein noch eine Ausbildungsentschädigung. So weit, so einfach.

Inzwischen ist die Sache komplizierter, wie nicht nur das Modell des Hamburger Unternehmers Klaus-Michael Kühne zeigt. Der 73-Jährige unterstützt den Bundesligisten Hamburger SV mit 15 Millionen Euro und will dafür an künftigen Spielerverkäufen der Hamburger mitverdienen.

In Deutschland ist dieses Modell eher ungewöhnlich und wird von vielen Fans kritisch beäugt. Sie fürchten, dass die Entscheidungskompetenz über Spielertransfers nicht mehr beim Verein, sondern bei externen Investoren liegt.

Neu ist die Idee von Kühne aber beileibe nicht. Der damals äußerst klamme 1. FC Kaiserslautern übertrug 2002 die Transferrechte an Nationalspieler Miroslav Klose an die Lotto Rheinland-Pfalz GmbH – als Sicherheit für einen Kredit über fünf Millionen Euro. Als der Stürmer dann 2004 zu Werder Bremen wechselte, verdiente die Lottogesellschaft mit.

Die Erfahrungen aus dem Umgang mit einer solchen Konstellation kamen Klaus Allofs drei Jahre später zugute. Der Werder-Manager musste beim Transfer des Brasilianers Carlos Alberto mit einem abgebenden Verein (Corinthians Sao Paulo), einem Verein, an den der Spieler ausgeliehen war (Fluminense Rio de Janeiro), mehreren Beratern und schließlich der Agentur Media Sports Investments (MSI) verhandeln. Bei MSI – die Firma hat in London ihren Sitz, agiert aber hauptsächlich auf dem südamerikanischen Markt – lagen die Transferrechte des Spielers. Nach zähem Ringen und der Zahlung von knapp acht Millionen Euro Ablöse wechselte Carlos Alberto nach Bremen. Dort wurde der Mittelfeldmann aber nicht glücklich und kehrte schnell wieder nach Brasilien zurück. Zwei Jahre lang, bis 2009, trug Carlos Alberto bei Werder den Titel „Teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte“, ehe die Bremer für Marko Marin rund 8,5 Millionen Euro an Borussia Mönchengladbach zahlten.

Mit dem Namen MSI verbinden sich derweil noch andere, schwer zu durchschauende Transfers. Die Gesellschaft kaufte sich vor einigen Jahren beim brasilianischen Club Corinthians ein. Dort lässt MSI immer wieder Akteure spielen, an denen das Unternehmen zuvor die Transferrechte erworben hat – siehe Carlos Alberto. Die Fußballer sollen sich dann bei Corinthians für höhere Aufgaben empfehlen, sprich eine zahlungskräftige Klientel auf sich aufmerksam machen.

Und der Plan geht auf: die argentinischen Nationalspieler Carlos Tevez und Javier Mascherano wechselten 2006 von Sao Paulo aus in die englische Premier League. Vor allem im Falle des Stürmers Tevez, der nach den Stationen West Ham United und Manchester United inzwischen bei Manchester City gelandet ist, sorgen die unklaren Besitzverhältnisse immer wieder für Rechtsstreitereien zwischen den Vereinen und dem Ligaverband. Unstrittig ist allerdings, dass sich für MSI das Engagement von Tevez in England gelohnt hat.

Geführt wird MSI offiziell vom Iraner Kia Joorabchian. Wer die finanzstarken Hintermänner sind, ist allerdings unklar. In englischen Medien wird in diesem Zusammenhang immer wieder der Name Roman Abramowitsch genannt. Der milliardenschwere Unternehmer aus Russland hat sich allerdings offiziell nie zu einem Engagement bei MSI bekannt.

gibt es nicht nur im Fußball. Schon vor Beginn der Profikarriere des Tennisspielers Thomas Haas (inzwischen 32 Jahre alt) sammelte dessen Vater Peter Geld von 15 solventen Privatpersonen ein. Sie sollten mit ihrer Einlage (50 000 DM/25  560 Euro) den Werdegang des damals minderjährigen Talents finanzieren. Als Gegenleistung stellte Peter Haas innerhalb eines bestimmten Zeitraums (bis zum Jahr 2004) 15 Prozent aller Einnahmen des Spielers in Aussicht. Jahrelang funktionierte das System, ehe Haas die Zahlungen an den „Freundeskreis“ einstellte. Die Angelegenheit landete vor Gericht, das die Seite Haas zur weiteren Zahlung an die Förderer verurteilte.

Hauke Richters
Hauke Richters Sportredaktion (Leitung)