OLDENBURG - Gewalt, Randale und Verletzungen im Umfeld von Fußballspielen nehmen zu. Die Polizei hat in der vorigen Saison 6043 Strafverfahren gegen Fans der Erst- und Zweitligisten eingeleitet. Zudem registrierte der Jahresbericht 2009/2010 der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) 784 Verletzungen im Zusammenhang mit Spielen der beiden Bundesligen. Die Beamten des Bundes und der Länder leisteten rund 1,76 Millionen Arbeitsstunden zur Einsatzbewältigung.

„Bei den drei genannten Werten handelt es sich um Höchstzahlen der letzten zwölf Jahre“, heißt es in dem ZIS-Bericht. Die Organisation mit Sitz in Duisburg registriert und beobachtet seit 1992 bundesweit Fußball-Gewalttäter. Dafür werden die Zuschauer in die Kategorien A (friedlicher Fan), B (gewaltbereiter/-geneigter Fan) und C (gewaltsuchender Fan) eingeteilt. Die Summe der „Gewalttäter“ (B und C) erhöhte sich um 855 auf 8765 Personen. Den Anstieg um zehn Prozent führt die ZIS auch auf den wachsenden Einfluss der Ultra-Gruppierungen zurück.

„Eine Trendwende ist weiterhin nicht erkennbar“, lautet das pessimistische Fazit nach der Auswertung von 764 Spielen (Bundesliga, 2. Liga, DFB-Pokal, Nationalmannschaft, Europapokal). Fast die Hälfte aller eingeleiteter Verfahren, entfielen auf Delikte wie Körperverletzungen, Widerstand, Landfriedensbruch und Sachbeschädigung.

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) warnte vor Panikmache. „784 verletzte Personen relativieren sich bei jährlich 612 Spielen und knapp 18 Millionen Zuschauern im deutschen Profifußball“, erklärte DFL-Kommunikationschef Christian Pfennig.

Derweil untermauerte die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPoIG) angesichts des Anstiegs der Polizei-Einsatzzeiten eine alte Forderung. „Es wäre angemessen, wenn die DFL eine Sicherheitsgebühr von 50 Millionen Euro bezahlt und den Steuerzahler damit entlastet“, sagte DPoIG-Chef Rainer Wendt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt dieses Ansinnen ab. Eine Sicherheitsgebühr sei die falsche Antwort auf die zunehmende Gewalt rund um den Fußball, so der GdP-Bundesvorsitzende Bernhard Witthaut. Die GdP setze vielmehr auf Dialogbereitschaft und die Zusammenarbeit von Polizei, Fußball und Fans.

Ähnlich sieht es auch die DFL, die eine Kostenbeteiligung strikt ablehnt.