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NWZonline.de Sport Fußball

Fehlen nur die Stadien – WM zwischen Nordsee und Osnabrück

05.07.2018

Oldenburg Man stelle sich vor, im Nordwesten Deutschlands würde eine Fußball-WM stattfinden. Die Brasilianer wohnen in Bad Zwischenahn und bestreiten ihre Vorrundenspiele überwiegend in Meppen, die Deutschen logieren in Norddeich und treten in Bremen an. Dort wurden schnell noch zwei neue Stadien gebaut, weil das Weserstadion allein nicht die Fülle an WM-Partien verkraften kann. Die Niederländer sind nach vollbrachter Qualifikation dieses Mal auch wieder dabei, wohnen aber im heimischen Groningen – der Weg in ihren Vorrunden-Spielort Emden ist ja nicht weit.

Finale am 18. Dezember

Neben diesen Teams sind auf einer sehr überschaubaren Fläche noch weitere 29 Mannschaften zu beherbergen. Dazu bringen diese jeweils einige tausend bis mehrere zehntausend Fans mit – ist ja schließlich WM, da will man dabeisein. Wenn die eigene Mannschaft gerade spielfrei hat, wollen die WM-Touristen natürlich nicht nur im Hotelzimmer oder im Zelt sitzen, sondern etwas unternehmen. An manchen Tagen könnte es daher an Ausflugszielen wie Dangast oder Schillig schon mal etwas eng werden. Da überlegen selbst englische Fans, ob sie frühmorgens mit einem Handtuch ihr Plätzchen reservieren – das haben sie sich in den vergangenen Jahrzehnten im Mittelmeerraum von deutschen Touristen abgeschaut.

Alles Quatsch? Völliger Unsinn? Keineswegs. So eine WM, die man beschönigend als „Turnier der kurzen Wege“ beschreiben könnte, findet vom 21. November bis 18. Dezember 2022 statt. Nur eben nicht im Nordwesten, sondern in Katar. Das Emirat weist eine Fläche von 11 600 Quadratkilometern auf. Zum Vergleich: Der ehemalige Regierungsbezirk Weser-Ems – also der Raum zwischen niedersächsischer Nordseeküste und Osnabrück sowie zwischen Bremen und der niederländischen Grenze – war mit einer Fläche von rund 14 900 Quadratkilometern sogar etwas größer als das kommende WM-Gastgeberland.

Der Umriss Katars über der Weser-Ems-Region. Screenshot: thetruesize.com

Was genau 2010 bei der Vergabe der WM 2022 zwischen Unterhändlern aus Katar und Funktionären des Weltverbandes Fifa alles an Umschlägen und Versprechungen hin- und hergeschoben wurde, wird wohl nie ans Licht kommen. Fest steht aber: Die Bewerbung Katars hatte große Schwächen, über die aber gütig hinweggeschaut wurde. Dass es im Sommer am Persischen Golf viel zu heiß ist, um Hochleistungssport zu betreiben? Egal! Dass viele Touristen mit der Hitze Probleme haben könnten? Ach was! Irgendwann wurden diese Fragen aber doch so drängend, dass das Turnier vom Sommer 2022 an das Jahresende 2022 gelegt wurde. In Deutschland finden Public-Viewing-Veranstaltungen in gut vier Jahren also auf dem Weihnachtsmarkt statt.

Stadien-Zahl reduziert

Eigentlich war es auch erforderlich, für ein 32er-Starterfeld zwölf Stadien zu benennen. Das tat das Bewerbungskomitee aus Katar auch, wobei es diese Arenen größtenteils noch nicht gab. Und es wird viele davon auch niemals geben. Denn nach dem Zuschlag (und heftiger Kritik daran) ließ sich die Fifa darauf herunterhandeln, dass auch acht Arenen reichen. Und selbst von denen sind derzeit noch einige im Bau. Auf die Frage, was ein Land mit 2,7 Millionen Einwohnern hinterher mit acht großen Stadien anfangen soll, gibt es indes keine vernünftige Antwort.

Legt man diese Stadionschablone auf den Nordwesten, dürfte sich Oldenburg doch über eine neue Arena freuen. Und diese wäre nicht nur drittliga-tauglich, sondern könnte sich mit einer Größe von 50 000 Plätzen auch um Länderspiele bewerben. Vergleichbare Arenen gäbe es dann auch in Bremerhaven, Wilhelmshaven, Emden und Leer. Klingt absurd? Ist es auch. Nur nicht bei der Fifa.

Hauke Richters
Leitung
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2030

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