• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Sport Fußball

Zwischen Fußballfans und Polizei brennt oft die Luft

24.01.2020

Oldenburg Das Verhältnis von Fußballfans und der Polizei ist nicht immer ein harmonisches. Das ist nicht nur der Eindruck, den die etwa 30 Zuhörer beim Vortrag des Journalisten Christoph Ruf in der Freizeitstätte Bürgerfelde in Oldenburg gewinnen. Das ist auch eine weitverbreitete Ansicht, die laut Ruf zu Konflikten führt, die nicht sein müssten – und zu einer Stigmatisierung von „Fußballfans“.

Zwar wisse er nicht, wer bei Polizei und Fußballfans „gut und böse“ sei – deshalb habe er seinen Vortrag auch „Wie Hund und Katz: Über das Verhältnis von Fans und Polizei“ genannt. „Hund und Katz verstehen sich auch nicht, ohne dass ich sagen kann, wer da der Böse ist“, erklärt Ruf. Im Verlauf des Vortrags, den das Fanprojekt Oldenburg organisiert hat, wird aber deutlich: Ruf selbst ist Fußballfan und regelmäßiger Stadiongänger, der einige Aktionen der Polizei, die er mitbekommen oder über die er gelesen hat, kritisiert. Zumindest zum Teil sicherlich auch zurecht. Allein: der Vortrag bleibt trotz versuchter Relativierung Rufs etwas einseitig, da kein Sprecher der Polizei da ist.

Fan-Projekt

Seit Juni 2019 gibt es in Oldenburg wieder ein Fan-Projekt, das von Nils Wach und Greta Pätsch gebildet wird. Die beiden studierten Pädagogen verstehen sich als Sozialarbeiter und Vermittlungsstelle zwischen Fans, Verein und auch Polizei. Die beiden sind bei Heim- und Auswärtsspielen dabei, halten engen Kontakt zu den Fans und haben als Ansprechpartner ein offenes Ohr für alle Anliegen – darunter zählen auch mögliche Konflikte mit Polizei, Sicherheitskräften oder anderen Fanszenen.

Kritik an Polizei

Ruf, der zu fast jeder Anekdote eine Meinung mitliefert, zählt Fälle auf, in denen Fans, die „nichts gemacht“ haben, zum Beispiel mit vielen anderen von der Polizei eingekesselt werden und stundenlang nicht auf die Toilette dürfen. Oder Busse von Auswärtsfans stundenlang unter einem Vorwand aufgehalten werden, bevor sie nach Hause fahren dürfen. Oder von einem Jungen, der offenbar arglos eine Absperrung übersehen hatte und von einem Polizisten per Schlag gestoppt wurde.

Doch er ordnet auch ein: In den meisten Fällen laufe die Polizeiarbeit gut, ohne die Polizei würden viele Spiele ja nicht stattfinden können. „Fußball ruft das Schlimmste im Menschen hervor“, gibt Ruf zu, dass es auch Fans gebe, die über die Stränge schlagen. Dazu sei für einige Ultras ein Derby ohne Klopperei nicht vollkommen. Allerdings gebe es diese Ansicht in Reihen der Polizei auch.

Nichtsdestotrotz gelte in Deutschland die Unschuldsvermutung, und das sehe er – das ist einer seiner zentralen Kritikpunkte – für die Gruppe Fußballfans nicht mehr gegeben. So werden Fans auswärts oft direkt „zur Kurve eskortiert“ – auch solche, die sich nichts zuschulden haben kommen lassen, und das sei eigentlich nicht einzusehen. „Fans haben keine Lobby“, sagt Ruf und ergänzt, dass sie daran aber ein bisschen selber Schuld seien. „Ultras schotten sich gern ab“, meint er.

Ein weiteres Problem sei aber die schlechte Fehlerkultur bei der Polizei. Daneben, dass Fangewalt in den Medien breit thematisiert werde, Polizeigewalt aber nicht, würden Verfehlungen von Polizisten deutlich seltener zur Anzeige gebracht als andere. Er fordert deshalb eine Ombudsstelle, in der Klagen gegen Polizisten gesammelt werden. „Es kann nicht sein, dass die Polizei gegen die Polizei ermittelt“, begründet er. Eine neutrale Stelle sei deshalb auch ein Gewinn für die Polizei, meint er.

Dann aber nimmt er Polizisten noch einmal in Schutz: „Sie führen ja nur Befehle aus. Die Justiz ist schlimmer“, sagt er und schimpft auf die Innenminister einiger Länder, die höhere Strafen auf den Einsatz von Pyrotechnik fordern, nämlich Führerscheinentzug oder gar Gefängnis. „Mir ist Pyro egal, aber ich akzeptiere, dass das vielen wichtig ist“, sagt er und schließt seinen Vortrag mit der Frage, ob man die vielen Stunden, die tausende Polizisten damit verbringen, „Pyro zu suchen, die sie ohnehin nicht finden“, nicht besser nutzen könne.

Pyro emotionales Thema

Die anschließende Diskussionsrunde, an der in erster Linie Fans teilnehmen, dreht sich hauptsächlich um das emotionale Thema Pyro. Hier wird deutlich, was Ruf thematisiert: Ein Fan fühlt sich „eingeengt“ und in seinen Freiräumen eingeschränkt, weil er selbst bei Spielen des VfB Oldenburg im Marschwegstadion, in denen bei offenem Dach von 15 600 Plätzen 14 000 frei sind, pauschal keine Pyrotechnik erlaubt sei. Der daneben sitzende VfB-Fanbeauftragte Raimund Kropp meint, es werde zuviel pauschalisiert: „Klar, Raketen in andere Blöcke schießen geht gar nicht, aber Bengalos, die in der Hand bleiben – da ist doch nichts dabei.“

Journalist Ruf weist auf zwei Dinge hin: Zum einen, dass es bereits Diskussionen über ein „kontrolliertes und korrektes Abbrennen mit einem ,Pyro-Führerschein’“ gebe (so einen benötige auch die Rockband Rammstein, die in ihren Shows mit aufwendigen Pyro-Elementen arbeitet), diese Diskussion aber vonseiten des DFB abgebrochen wurde. Außerdem habe der DFB inzwischen Finanzpro-bleme – und Pyro sei eine Einnahmequelle, siehe das Hamburger Derby auf St. Pauli im Oktober 2019, in dem gezündelt wurde und beide Vereine nun 200 000 (HSV) bzw 120 000 Euro (Pauli) zahlen sollten. Der Streit um die Summen, die Ruf für völlig überzogen hält, dauert an.

Ein weiterer Zuhörer betont dann aber noch, dass die VfB-Szene eine sehr friedliche sei, und man sowohl einen guten Kontakt zum Fan-Beauftragten als auch zu den Beamten habe. Das Verhältnis von Fußball-Fans zur Polizei ist glücklicherweise also oft auch doch ein harmonisches.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2032
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.