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NWZonline.de Sport Fußball

Darum ist Funino bei Trainern so beliebt

30.04.2019

Oldenburger /Cloppenburg Ein Vorurteil über Kinderfußball, in dem durchaus mehr als ein Funken Wahrheit steckt, ist jenes, dass immer alle zum Ball rennen – zumindest in den ganz jungen Klassen. Eine Spielform, die dem Abhilfe schaffen und schon jüngste Kicker quasi automatisch zu einem besseren Spiel verleitet, ist nun in aller Munde – und könnte sogar die klassische Form nach und nach ablösen.

Beim VfL Oldenburg wird „Funino“ schon seit sechs Jahren gespielt, berichtet Jugend-Trainer Leif Paladini, der auf dieses Konzept schwört. Der Clou: Es wird auf vier Mini-Tore gespielt, statt auf zwei, und das in Mannschaften mit nur je drei Spielern – ohne Torwart. „In jüngeren Jahren ist die Wahrnehmung der Kinder noch eingeschränkter. Das hat den Effekt ,Traube’, also alle auf den Ball“, erläutert der 37-Jährige. Trainer würden dann durch Anweisungen versuchen, das zu ändern. Funino mache das implizit. „Weil die Kinder dafür belohnt werden, auch mal die Seite zu wechseln und das Spiel zu verlagern.“ Tore dürfen außerdem nur aus der sechs Meter breiten Schusszone erzielt werden.

Jeder Spieler hat mehr Ballaktionen

Auch für Lasse Otremba vom JVF Nordwest liegen die Vorteile klar auf der Hand: „Je weniger Spieler in einer Mannschaft sind, desto mehr Pässe, Dribblings, Sprints und Spielaktionen hat jeder einzelne. Jeder muss teilnehmen und kann sich nicht rausnehmen“, fasst der Jugendtrainer zusammen. Otremba hat kürzlich bei einem D-Jugend-Spiel ein weiteres Problem an der klassischen Variante beobachtet, das im Funino kaum möglich ist: „Die besten Drei der einen spielen gegen die besten Drei der anderen Mannschaft, während die anderen mehr oder weniger nur mitlaufen oder sogar fast gar nicht am Spiel teilnehmen.“

Dem wird im Funino auf zwei Arten entgegengewirkt. Zum Einen spielen ja nur drei Spieler in jeder Mannschaft. Zum Anderen durch den Turniermodus: „Wir spielen auf vielen Spielfeldern, es spielen also alle gleichzeitig“, betonte Paladini – und ergänzt, dass die wegfallenden Wartezeiten für die Trainer auch ganz angenehm ist.

Immer gleich starke Teams gegeneinander

Doch das Beste sei der Modus: Die Spielfelder haben eine Art Rangfolge, und wenn ein Team das erste Spiel gewinnt, steigt es auf, und das unterlegene steigt ab. So treten immer etwa gleich starke Teams gegeneinander an. „Oft meiden Mädchenteams Turniere mit Jungenmannschaften, weil diese spielstärker sind. Hier passt es aber“, sagt Paladini.

Auch kleinere Spieler, die in ihrer körperlichen Entwicklung einfach etwas mehr Zeit benötigen als andere und manchmal in 11-gegen-11- oder 9-gegen-9-Spielen regelrecht untergehen, bekommen die Einsatzzeiten, die sie sonst nicht bekämen, und können sich so verbessern, ergänzt Otremba. Der JFV-Coach lässt sogar seine A-Jugend im Training oft in 4er-Teams gegeneinander spielen als klassisch 11 gegen 11. „Ich forciere deutlich mehr Offensiv- und Defensivaktionen unmittelbar vor dem Tor, wenn ich eine kleinere Spielfeldgröße und kleinere Spieleranzahl habe.“ Er begrüßt deshalb die Entwicklung, in jungen Jahrgängen mit weniger Spielern auf kleinere Felder zu spielen.

Funino in Cloppenburg

Nicht nur in Oldenburg steht die Fußball-Szene dem Funino-Konzept offen gegenüber. Karl-Heinz Deeken, kommissarischer Vorsitzender des NFV-Ausschusses für Jugend- und Schulfußball in Cloppenburg, bezeichnet sich selbst als „großen Fan“ des Funino. „Diese Spielart bringt den Kindern neben vielen Ballkontakten nachweislich eine Menge“, sagt Deeken, der auch in der Talentförderung als Auswahltrainer tätig ist. „Wir werden Funino ab Sommer über Spielenachmittage für Kinder bis zehn Jahre einführen.“

Er ist sich sicher, dass Funino im Landkreis Cloppenburg gut ankommen wird. „Gespräche mit den Verantwortlichen für den Kinderfußball von Hannover 96 und den FC St. Pauli zeigen, dass sie von Funino sehr angetan sind – auch Leute, die vorher skeptisch waren. Beim FC St. Pauli spielen die E- und die F-Jugend nur noch Funino und nehmen nicht mehr an anderen Spielrunden teil.“ Man könne davon ausgehen, dass auch der DFB und der NFV in Zukunft die Spielformen im Kinderfußball neu definieren werden.

Michael Wewer, Trainer der 1. F-Junioren des BV Cloppenburg, zeigt sich offen für Funino. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Funino als Trainingsform sehr sinnvoll ist. Ich denke, dass es auch eine schöne Spielform ist.“ Die Jugendtrainer des BVC hätten schon ausgiebig über die Vor- und Nachteile von Funino diskutiert. Wewer sieht Funino als Variante an, die den leistungsbezogenen Fußball voranbringen kann, befürchtet aber auch, dass der eine oder andere nicht so talentierte Spieler die Lust am Fußball verlieren könnte.

„3+1“-Turnier am Haarenesch

An diesem Sonntag organisiert Paladini, der am Samstag auch eine Fortbildung zu Funino gibt, mit dem VfL ein Miniturnier auf dem Haarenesch-Sportlatz, das in diesem Modus gespielt wird. Es ist zwar kein Funino-Turnier (das findet das nächste Mal am 19. Mai statt), aber es spielen immer drei Spieler plus ein Torwart auf jeweils ein zentrales Tor. „Kinder wollen auch den Fußball spielen, den sie unter anderem aus dem Fernsehen kennen“, begründet Paladini, der nach dem Turnier für Fragen und Gespräche zur Verfügung steht: „Und den sollte man ihnen nicht nehmen.“

Genau das sieht auch Otremba so. „Wenn man den Kids die Wahl lässt, auf ein Mini-Tor oder ein großes mit Torwart zu schießen, wählen sie das große. Das macht einfach mehr Spaß.“ Er spricht sich deshalb für „kreative Konzepte“ aus und schlägt ab der F-Jugend „Kombi-Lösungen“ vor, zum Beispiel „Hinrunde auf Mini-Tore und Rückrunde auf Jugend-Tore mit wechselnden Torhütern, oder eine Halbzeit so und die zweite so“.

Ihm ist zudem wichtig, „die Basis mitzunehmen“ und bei Tagungen miteinander über die Entwicklung des Trainings zu sprechen. Es dürfe auch nicht dazu kommen, dass jemand, der seit 20 Jahren eine Jugendmannschaft trainiert, sich vor den Kopf gestoßen fühlt und sein Ehrenamt aufgibt.

Jan-Karsten zur Brügge Redakteur / Sportredaktion
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Steffen Szepanski Lokalsport / Redaktion Münsterland
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