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NWZonline.de Sport Fußball

Neue Elfmeter-Regel löst großen Ärger aus

21.06.2019

Paris Zum großen WM-Aufregerthema twitterte Nadine Angerer den passenden Cartoon. Darauf zu sehen: Eine Schiedsrichterin, die eine Torhüterin mit Nägeln in die Füße an der Torlinie festhämmert. „Regeln der Zukunft“, schrieb die frühere Fußball-Nationaltorhüterin dazu.

Der Anlass? In der dramatischen Schlussphase des Gruppenspiels zwischen Schottland und Argentinien im Pariser Prinzenpark ließ die Unparteiische Ri Hyang-Ok beim Stand von 3:2 einen parierten Foulelfmeter der Südamerikanerinnen wiederholen. Der deutsche Video-Assistent Bastian Dankert hatte sie darauf hingewiesen, dass Torhüterin Lee Alexander bei der Ausführung des Strafstoßes die Torlinie um wenige Zentimeter verlassen hatte.

Das Ende vom Lied? Florencia Bonsegundo versenkte den zweiten Versuch zum Ausgleich, das Remis nach 3:0-Führung bedeutete das bittere Aus für den WM-Neuling. Es folgten blankes Entsetzen und Tränen bei den Britinnen – zumal trotz langer VAR-Unterbrechung viel zu kurz nachgespielt wurde. Alles dank der Anwendung der neuen Richtlinie der Regelhüter des Weltverbandes Fifa.

Seit dem 1. Juni gilt die eigentlich zum Wohl der Keeper modifizierte Vorschrift, dass im Moment der Ausführung (nur) ein Fuß die Linie berühren muss. Früher waren es beide Füße, doch erst jetzt wird – bei der WM mithilfe der ausschließlich männlichen Schiedsrichter vor den Bildschirmen – genau hingeschaut. In Frankreich war es nach dem Siegtor der Gastgeberinnen gegen Nigeria (1:0) und dem Führungstreffer von Italien gegen Jamaika (5:1) bereits der dritte Vorfall dieser Art. Experten und Betroffene gehen auf die Barrikaden.

„Lee hat 27 Jahre lang Elfmeter so trainiert und jetzt bei einer WM sagen wir: Nein, das geht so nicht, du musst ganz anders trainieren! Das ist lächerlich“, brachte es die schottische Ex-Nationaltorhüterin Gemma Fay auf den Punkt. „Ich halte diese konsequente Umsetzung der Regel mit VAR für blanken Unsinn! Es sollte im Ermessen des Schiedsrichterteams bleiben“, forderte Ralf Kellermann, Sportlicher Leiter der Frauen-Abteilung des VfL Wolfsburg.

Deutschlands Almuth Schult empfindet die Umsetzung auch deshalb als unangemessen, weil auf zu früh in den Strafraum laufende Spielerinnen weniger streng geachtet werde. „Deswegen hoffe ich, dass nach dem Turnier über die Auslegung noch mal nachgedacht wird“, sagte die Angerer-Nachfolgerin.

Die Fachleute vom Schiedsrichter-Blog „Collinas Erben“ fordern: „Seht darüber hinweg, wenn das zweite Bein einen halben Meter vor der Linie ist. Lasst den VAR nur in krassen Fällen eingreifen.“ Zumal der Regelverstoß mit einer Gelben Karte geahndet wird – ein Elfmeterschießen unter den Bedingungen dürfte zur Farce werden, wenn eine verwarnte Torhüterin zur Passivität verdammt ist.

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