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NWZonline.de Sport Fußball

Fußball: Niederländer nach Desaster ratlos

02.09.2017

Paris Im Schockzustand nach der höchsten Pleite seit 56 Jahren fiel Arjen Robbens blamierten Niederländern der Glaube an ein Fußball-Wunder schwer. Das WM-Ticket für Russland 2018 ist trotz der 0:4-Schmach in Frankreich zwar rechnerisch noch möglich, doch der sportliche Offenbarungseid von Oranje lässt kaum Raum für Hoffnungen auf die nun benötigten drei Siege aus den verbleibenden drei Qualifikationsspielen. „Ich bin ein bisschen erschrocken darüber, wie wir gespielt haben“, gestand Bondscoach Dick Advocaat erschüttert. „Dieses Oranje hat bei der Weltmeisterschaft nichts zu suchen“, schrieb die Zeitung „De Volkskrant“ am Freitag.

Der im Juni als Retter verpflichtete Advocaat hat auf die Schnelle kein Gegenmittel für den Niedergang der Elftal gefunden, der nach der verpassten EM 2016 nun auch beim nächsten Turnier die Rolle als Zuschauer droht. „Wir haben gegen eine Mannschaft verloren, die viel besser war. Frankreich war in diesem Spiel zu gut für uns“, analysierte Kapitän Robben treffend. Seit einer ähnlichen Klatsche 1961 gegen Belgien hatten die Niederländer nicht mehr so hoch verloren wie an diesem bitteren Donnerstagabend im Stade de France.

Die Gastgeber hätten „das Gespenst einer großen Nation in die Versenkung geschickt“, befand die französische Sportzeitung „L’Équipe“. Und das „NRC Handelsblad“ aus den Niederlanden diagnostizierte: „Die Älteren sind nicht mehr so gut, wie sie es früher waren. Und die Jüngeren sind nicht so gut, wie es die Älteren waren. Es war peinlich und erniedrigend.“

Nur das überraschende 2:3 der Schweden in Bulgarien hielt die mathematischen Chancen der Niederländer auf eine Reise nach Russland im kommenden Jahr noch am Leben. „Unglaublich, aber wahr“, sagte Robben voller Erstaunen, dass als Gruppenvierter mit erst zehn Punkten aus sieben Spielen nicht schon jetzt alles vorbei ist. In den beiden Heimspielen gegen die Bulgaren und die Schweden sowie beim Gastspiel in Weißrussland müssen nun drei deutliche Siege her, um zumindest Platz zwei hinter Frankreich und den Sprung in die Qualifikations-Playoffs noch zu schaffen. „Surrealistisch“ sei aber diese Hoffnung, urteilte das niederländische Fernsehen NOS.

Weder Robben (33/Bayern München) noch die anderen Veteranen wie Wesley Sneijder (33/OGC Nizza) und der reaktivierte Rekord-Torschütze Robin van Persie (34/Fenerbahce Istanbul) sind in der Glanzform früherer Tage. Die jüngeren Spieler können die großen Ansprüche des WM-Dritten von 2014 derzeit nicht erfüllen und verkrampfen unter der Last der Erwartungen. Beobachter wie der „Volkskrant“ vermissen Dinge wie „bessere technische Fähigkeiten und mehr Laufvermögen“.

Auch der schon 69-jährige Advocaat, der bereits zum dritten Mal Nationaltrainer bei Oranje ist, steht nicht wirklich für die Zukunft. Seine Mission WM-Qualifikation scheint krachend zu scheitern. „Es macht keinen Sinn, jetzt herumzumotzen“, mahnte Advocaat: „Wir müssen nun aus den nächsten Spielen etwas machen. Wir können noch Gruppenzweiter werden, das muss nun unser Ziel sein.“ Wie genau das gelingen soll, sagte Advocaat nicht.

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