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NWZonline.de Sport Fußball

Per Kopfball ins Fußball-Geschichtsbuch

29.03.2011

WILHELMSHAVEN Am 2. September 1990 kurz nach 14 Uhr trug sich Iris Taaken in die Geschichtsbücher des Fußballs ein. Am ersten Spieltag der damals neu gegründeten Frauen-Bundesliga hatte Martina Haschen vom SV Wilhelmshaven im Spiel gegen den 1. FC Neukölln aus Berlin von der rechten Seite geflankt, die damals 20-jährige Taaken stieg hoch und köpfte nach 55 Sekunden zum 1:0 ins Neuköllner Netz. Die aus Esens stammende Taaken hatte das erste Tor überhaupt in der neuen Eliteliga erzielt – doch das merkte Taaken erst Jahre später.

„Mir war das gar nicht bewusst“, berichtet Taaken (41) gelassen. „Ein Freund hat mir erzählt, er hätte im Internet gelesen, ich hätte das erste Bundesligator erzielt.“

Es war auch alles aufregend genug damals in der Pionierzeit des Frauen-Bundesligafußballs. Der SV Wilhelmshaven hatte sich als Zweiter in der Regionalliga für die Bundesliga, die damals noch in eine Nord- und eine Südstaffel unterteilt war, qualifiziert. Trainer des Teams war schon seit 1974 der heute 64-jährige Helmut Fünfstück. „Einigen Männern im Verein waren wir ein Dorn im Auge“, sagt Fünfstück. „Die mussten sich erstmal daran gewöhnen, dass wir plötzlich mehr Aufmerksamkeit bekamen.“

Gegen die unterlegenen Berlinerinnen gewann der SVW mit 6:1. Für eine kurze Zeit wuchsen die Erwartungen an das Team, doch Fünfstück und Taaken war klar, dass es nur um den Klassenerhalt ging. „Neukölln war kein Maßstab – da kamen noch ganz andere Kaliber auf uns zu“, berichtet Taaken.

Der spätere Meister TSV Siegen zum Beispiel, mit der heutigen Nationaltrainerin und 111-fachen Nationalspielerin Silvia Neid. In einer noch wenig ausgeglichenen Liga war die „Hobbytruppe“ (Taaken) des SVW gegen die Spitzenteams chancenlos. Die beiden 0:5-Niederlagen gegen Siegen sieht Fünfstück noch heute als Erfolge an. „Das war schon gut, einmal konnten wir bis zur Pause ein 0:0 halten. Dass wir dann eingebrochen sind, war keine Überraschung.“

Am Ende fehlten dem SVW zwei Punkte zum Klassenerhalt. Hätte Fünfstück mehr Spielerinnen vom Schlage einer Taaken gehabt, wäre es besser gelaufen, glaubt er: „Bei Iris klebte der Ball am Fuß, sie war nicht nur eine der Besseren im Team, sie hätte auch noch viel weiter kommen können.“ Doch Taaken wollte das nicht. Die Mittelfeldspielerin hatte einen festen Job bei einer Bank. Für den Fußball nahm sie viel in Kauf, fuhr dreimal die Woche 50 Kilometer zum Training. Doch höhere Ambitionen hegte sie nicht: „In der Regionalliga war es auch schön.“

Es hat wohl auch Spaß gemacht in dieser Mannschaft, die mit ihren Liedern die Busfahrer zur Verzweiflung brachte und den Kneipenbesuch nach dem Spiel zur Vorbereitung auf das nächste nutzte: „Manche blieben bis zum Morgengrauen, das war eine unheimlich lustige Zeit.“ Taaken war zwar meist eine der Ersten, die sich auf dem Heimweg machte, dem Team blieb sie aber bis zur Auflösung der Frauenabteilung im Jahr 1999 treu. Mit ehemaligen Mitspielerinnen kickte sie danach bei SuS Timmel in der Regionalliga. Vor zwei Jahren war dann Schluss mit ihrer Fußballkarriere, die in den Geschichtsbüchern begann und auf Kreisebene mit vielen zweistelligen Siegen endete.

Der SV Wilhelmshaven war im Sommer 1990 Gründungsmitglied der Frauen-Bundesliga und landete mit 10:26 Punkten und 25:56 Toren auf dem neunten von zehn Plätzen. Nach dem Abstieg in der ersten Saison spielte die Mannschaft von Trainer Helmut Fünfstück noch bis 1999 in der Regionalliga. Die Frauen-Bundesliga begann mit einer Nord- und einer Südstaffel. Seit 1997 wird der deutsche Meister in einer eingleisigen Liga ausgespielt. Mit sieben Titeln Rekordmeister ist der 1. FFC Frankfurt.

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