PESCARA - Nach dem Tod des Fußballprofis Piermario Morosini ist in Italien eine Diskussion über eine möglicherweise zu hohe Belastung der Spieler entbrannt. „Wir müssen weniger und nicht so schnell hintereinander spielen“, forderte Udines Stürmerstar Antonio di Natale.
Der zweimalige Torschützenkönig der ersten italienischen Fußballliga gab zu, wegen der enormen Belastung 2011 an einen Rücktritt gedacht zu haben. Es bleibe kaum noch Zeit zur Regeneration. „Fußball ist schön und wichtig, aber wir müssen auch auf unsere Gesundheit achten“, mahnte der 34-jährige Ex-Nationalspieler.
Di Natale hatte in Udine zusammen mit Morosini gespielt. Der Mittelfeldspieler hatte am Sonnabend im Zweitligaspiel seines Clubs Livorno in Pescara einen Herzstillstand erlitten und war im Alter von 25 Jahren gestorben.
Auch in der Fußball-Bundesliga ist die Diskussion um die Vorsorge wieder entbrannt. „Natürlich wäre es die beste Vorbeugung von plötzlichen Herztoden im Sport, wenn bei allen aktiven Sportlern regelmäßig einmal im Jahr Herz-Untersuchungen stattfinden würden. Dies ist aber aus Kostengründen kaum möglich. In der Bundesliga werden die Spieler einmal im Jahr sehr umfassend untersucht. Man muss aber zugestehen, dass man die Gefahr eines Herztodes realistischerweise nie ganz ausschließen kann“, sagte DFB-Arzt Professor Tim Meyer.
Nach Meinung des Teamarztes der deutschen Nationalmannschaft ist der Tod von Morosini völlig untypisch und könnte auch genetisch bedingt sein, was man bei üblichen Vorsorgeuntersuchungen nicht feststellen könne.
Diese These unterstreicht auch Dr. Philipp Stawowy. „Ich denke, dass der Spieler eine myokardiale Erkrankung hatte, eine Erkrankung des Herzmuskels und wohl eher keinen Herzinfarkt. Leistungssportler, denen so etwas passiert, haben eine genetische Erkrankung, die zu einer Verdickung des Herzmuskels führt“, sagte der Oberarzt des Deutschen Herzzentrums in Berlin. Er warnt aber vor Panikmache: „Eine Häufung der Vorfälle gibt es nicht, es ist eher die verstärkte Wahrnehmung.“
Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass Morosini nicht an einem Infarkt gestorben ist.
Derweil hat der englische Fußball-Profi Fabrice Muamba nach seinem Herzstillstand das Krankenhaus verlassen. Der frühere englische U-21-Nationalspieler war am 17. März im Viertelfinale des FA-Cups bei Tottenham Hotspur auf dem Platz kollabiert.
