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NWZonline.de Sport Fußball

Ex-Stellvertreter Fordert Ermittlungen: Proteststurm gegen Blatter

02.06.2015

Zürich Der weltweite Proteststurm gegen FIFA-Dauerregent Joseph Blatter reißt auch eine halbe Woche nach der Wiederwahl nicht ab. Die EU-Kommission und die Bundesregierung fordern Veränderungen im Weltverband, ein ehemaliger FIFA-Vize verlangt Ermittlungen gegen den Schweizer, und der englische Verband will den Deutschen Fußball-Bund für einen WM-Boykott gewinnen. Eine Abspaltung Europas von der skandalumwitterten FIFA lehnt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach aber weiter ab: „Wir wollen keine Verhältnisse wie beim Boxen, wo es mehrere Parallelverbände gibt. Das funktioniert nicht.“

Vor dem Champions-League-Finale wollen die mehrheitlich Blatter-kritischen UEFA-Mitglieder ihre Strategie für die fünfte Amtszeit des FIFA-Präsidenten festlegen. Große Hoffnungen auf einen Masterplan hegt Niersbach jedoch nicht. „Ich habe keine zu hohen Erwartungen, denn die Fakten sind jetzt geschaffen“, bekannte er. „Ein roter Faden ist noch nicht festgelegt worden.“

Seit Blatter seine Kandidatur erklärt hatte, habe Europa „nicht zu einer gemeinsamen Konzeption und schlagkräftigen Strategie gefunden“, kritisierte der DFB-Chef.

Auf ein solch konzertiertes Vorgehen hofft auch der Deutsche Olympische Sportbund. Bei UEFA-Präsident Michel Platini, der einen europäischen Rückzug aus FIFA-Wettbewerben nicht ausgeschlossen hat, sei „noch keine klare politische Linie“ zu erkennen, sagte DOSB-Vorstandschef Michael Vesper. Deshalb „wäre es gut, wenn die europäischen Verbände sich am kommenden Wochenende darauf verständigen könnten.“

Dann wird auch ein WM-Boykott auf der Diskussionsagenda stehen. Englands-Verbandschef Greg Dyke rief Deutschland und andere wichtige Fußball-Nationen aus Protest gegen Blatter zu einem gemeinsamen Verzicht auf die Weltmeisterschaft auf. Dieser müsse von mindestens „zehn großen Ländern“ unterstützt werden, um Auswirkungen zu haben, sagte Dyke dem BBC Radio. „Ansonsten ist es zwecklos.“ Niersbach hatte einen Boykott zuletzt als „schlechte Waffe“ bezeichnet, ein solcher Schritt scheint derzeit höchst unwahrscheinlich.

Gefährlicher als die bislang wirkungslose UEFA-Opposition könnten für den Weltverband die weiteren Konsequenzen aus dem Justiz-Krimi werden. Vergangene Woche waren in Zürich sieben Fußball-Funktionäre verhaftet worden, die US-Behörden klagten insgesamt 14 Personen an. Der zwischenzeitlich festgenommene frühere Blatter-Stellvertreter Jack Warner forderte Ermittlungen gegen den FIFA-Boss.

Kein anderer habe so viel Schande über die FIFA gebracht, sagte der ehemalige Spitzenfunktionär in einem Interview dem „stern“ (Mittwoch). „Warum ermittelt keiner in Asien, warum nicht in Europa? Warum gibt es keine Ermittlungen gegen Blatter?“

Die Wahl selbst wollte die EU-Kommission nicht kommentieren, richtete aber deutliche Worte an die FIFA. „Für Korruption ist im Sport kein Platz. Die FIFA hat genug Zeit und Gelegenheiten zur Reform bekommen“, sagte eine Sprecherin. Nun sei es Zeit für Veränderungen. „Die Integrität des Fußballs steht auf dem Spiel. Millionen Fans in aller Welt haben die Geduld verloren und verdienen Besseres.“

Es bestehe dringender Handlungsbedarf in der FIFA, erklärte auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Es sei ein Problem, „dass dort jedes Land eine Stimme hat, obwohl die fußballerische Bedeutung der Länder unterschiedlich ist.“ Blatter war beim Kongress von 133 der 209 Mitgliedsverbänden gewählt worden.

Erste Konsequenzen zog der Neuseeländer Nick Davidson, der sich einem Medienbericht zufolge aus der Ethikkommission der FIFA zurückziehen will. Davidson zeigte sich „frustriert“, dass er den Untersuchungsbericht des früheren Chefermittlers Michael Garcia zur skandalumwitterten WM-Vergabe 2018 in Russland und 2022 in Katar nicht zu sehen bekommen habe. Davidson ist eines von sechs Mitgliedern der Untersuchungskammer.

„Ermittler müssen die gesamte Story kennen. Michael Garcia hat nach den Regeln gespielt und hatte keine Autorisierung, den Bericht mir offenzulegen“, sagte Davidson der Zeitung. Garcia war zurückgetreten, weil seine Untersuchungsergebnisse nicht zu einer Anklage in seinem Sinne geführt hatten.

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