RASTEDE - Ein deutscher Fußball-Torwart hat randaliert, weil ihm die Prozedur bei einer Dopingkontrolle zu lästig wurde. Nie kämen hingegen Baricello Ausfälle in den Sinn, weil ein paar Leute um ihn herumstehen. Die warten darauf, dass er das macht, was man bei einem Torwart „menschliches Rühren“ nennt. „Das ist ein wohlerzogenes Pferd“, befinden Claus Bergjohann und Dr. Ulrich Schulz über den fünfjährigen Westfalen vom Gestüt Sprehe. Den Wallach und seinen Reiter Tobias Meyer aus Friesoythe-Falkenberg hat das Zufallsprinzip für die Dopingprobe bestimmt.
Sechs offizielle Dopingproben lässt die Deutsche Reiterliche Vereinigung beim Landesturnier nehmen. Für die unanfechtbare Urin- oder im Verhinderungsfall Blutabnahme ist Bergjohann aus Hasbergen als Kommissionsbeauftragter zuständig. Tierarzt Schulz aus Wüsting muss den Praxisteil erledigen. Also steht er in der Sonderbox neben Baricello und bringt einen mit einem wasserdichten Beutel präparierten Kescher in Stellung. Nach 20 ereignislosen Minuten hegt Schulz größtes Verständnis für den Westfalen: „Ich hatte mal einen Wallach, der hat nie in fremden Ställen gepinkelt.“
Auch Baricello zählt zu dieser Sorte. Während ein unartiger Torwart mit Bier nachhelfen kann, führt beim artigen Tier nur Geduld ans Ziel – oder auch nicht. Die Geduld ist genau auf eine halbe Stunde festgeschrieben. „Die Chance auf Urin liegt tatsächlich bei 1:5“, weiß Bergjohann. „Schade. Es ist noch aussagefähiger als Blut.“ So also erhält das Zentrallabor in Geesthacht nun zwei Fläschchen mit Blut, aufbruchsicher verpackt und versiegelt, den Ablauf protokolliert und mit der Bestätigung des Reiters: Alles korrekt abgewickelt!
Tobias Meyer hat schon „fünf oder sechs“ Dopingkontrollen erlebt, Baricello die erste. „Man muss darauf gefasst sein, und man muss sauber sein“, lautet die Überzeugung des 19-jährigen Mannschafts-Europameisters.
Die Sauberkeit ist im Reitsport mit seinem Zusammenspiel von Mensch und Tier kaum strikt zu definieren. Die Behandlung von Verletzungen oder Erkrankungen mit Salben oder Medikamenten kann schon ins Doping-Dilemma führen. „Da muss man intensiv den Einzelfall untersuchen“, sagt auch Aktivensprecher Gerd Sosath.
Das umsatzstarke Reiten könnte beim Doping sogar die komplizierteste Sportart mit den am meisten verwischten Trennungslinien sein. Eine Vermutung des erfahrenen Richters Bergjohann lässt die Dimension ahnen: „Schon bei der Jugendreiterprüfung bin ich überzeugt, dass da beruhigende Mittel eingesetzt werden, um die Kinder oben zu halten.“
