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NWZonline.de Sport Fußball

Regionalligisten kämpfen ums Überleben

30.03.2017

Düsseldorf /Oldenburg Sie könnten inzwischen eine eigene Liga stellen – und die wäre prominent besetzt: Rund zwei Dutzend Fußballvereine haben in den vergangenen Jahren Insolvenz angemeldet. Im Regionalligisten Alemannia Aachen erwischte es vor wenigen Tagen einen Verein, der 2007 noch in der Bundesliga spielte. Für die Aachener ist es bereits der zweite Insolvenzantrag nach 2012. Und das Ende des Trends ist nicht in Sicht. Vor allem in der 4. Liga, der Regionalliga, ist für viele Clubs der Spielbetrieb offenbar kaum zu finanzieren.

„Die Tendenz zeichnet sich ab, dass die 1. und 2. Liga zählt, darunter entwickeln sich die Ligen zu Opfern, die bei den Ansprüchen kaum noch überleben können“, sagt Hajo Sommers, Präsident des ehemaligen Bundesligisten und heutigen Regionalligisten Rot-Weiß Oberhausen. Fernsehgelder gibt es beispielsweise erst ab der 3. Liga.

Drei Clubs schaffen Sprung in 3. Liga

Die Regionalliga umfasst fünf Staffeln: Nord (18 Vereine), Nordost (18), West (18), Südwest (19) und Bayern (18). Die fünf Meister sowie der Südwest- Zweitplatzierte spielen drei Aufsteiger in die 3. Liga aus. Der Zuschauerrekord in der Regionalliga wurde im Februar 2015 bei der Partie Alemannia Aachen - Rot-Weiss Essen (30 313 Besucher) aufgestellt.

In Kickers Offenbach, Rot-Weiss Essen, dem Wuppertaler SV, dem SSV Ulm, dem FC Homburg oder Borussia Neunkirchen haben neben Aachen mehrere frühere Erstliga-Vereine schon mal Zahlungsunfähigkeit angemeldet. Auch der VfB Lübeck, der SSV Reutlingen, der FC Gütersloh, Rot-Weiss Ahlen, der Bonner SC, der FSV Zwickau oder der erste deutsche Meister VfB Leipzig (inzwischen wieder 1. FC Lok Leipzig) stehen auf dieser Liste. Aus der 3. Liga hat gerade der VfR Aalen Insolvenz angemeldet.

Den Zweitliga-Absteigern FSV Frankfurt und SC Paderborn, die gegen den nächsten Abstieg in die Regionalliga kämpfen, droht das Szenario ebenfalls. Ex-Zweitligist Sportfreunde Siegen vermied es auf Kosten eines freiwilligen Rückzugs in die Oberliga. Aus dieser ist das Team inzwischen wieder in die Regionalliga aufgestiegen.

Philipp Herrnberger bestätigt, dass für die Teilnahme an der Regionalliga viel Rechnerei nötig sei. „Möglicherweise lassen sich viele Vereinsführungen aber noch zu sehr von Emotionen leiten“, sagt der Geschäftsführer des Regionaligisten VfB Oldenburg: „Dabei ist auch ein traditionsreicher Fußballclub wie ein Unternehmen zu führen. Ich muss nach kaufmännischen Prinzipien handeln.“ Vielfach, sagt Herrnberger, würde wohl der Wunsch nach einer schnellen Rückkehr in die oberen Ligen dazu führen, sich finanziell zu übernehmen und den Kader mit zu teuren Spielern zu bestücken. „Das geht einfach nicht. Wir können uns auch keine Zweitliga-Stars leisten“, sagt der VfB-Geschäftsführer.

Eine Insolvenz zieht statt des Zwangsabstiegs heute nur noch den Abzug von neun Punkten nach sich. Doch für manche ist es eine Frage der Ehre. „Seit drei Spielzeiten gibt es eine Unterdeckung des Etats, die immer wieder nur durch privates Engagement von Gönnern geschlossen werden konnte. Die Leute können und wollen wir nicht immer wieder beknien“, sagt Gerhard Bettermann, Vorstandsmitglied der Sportfreunde Siegen: „Man muss den Tatsachen ins Auge sehen: Siegen kann sich die Regionalliga nicht leisten.“ In jener Liga belegt das Team derzeit einen Abstiegsplatz.

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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