ROM - Die italienische Regierung hält die Gewalt-Exzesse von Fußball-Hooligans am Sonntag für gezielte und geplante terroristische Aktionen. Innenminister Giuliano Amato sprach von „umstürzlerischen Kreisen, die Jugendliche als bewaffnete Kämpfer gegen die Polizei einsetzen“. Laut Amato wurden am Dienstagvormittag 18 weitere Hooligans festgenommen.

Nach einem Bericht des Innenministeriums sei es „offensichtlich, dass die Hooligans Propaganda für eine gewalttätige Opposition zum institutionellen System machen“. Die Polizei sprach nach dem Angriff von rund 400 Hooligans auf eine Polizeikaserne in Rom von einer „fast militärischen Präzision mit einer offensichtlich einstudierten und umgesetzten Strategie“. Vier Hooligans stehen sogar unter Terrorismus-Verdacht. Nach Angaben der Zeitung „Corriere della Sera“ droht sich „eine neue politische Kraft herauszubilden“, die nach dem Tod des Lazio-Fans Gabriele Sandri eine neue Geschlossenheit gefunden habe.

Amato verteidigte das Verhalten der Polizei beim Angriff der Hooligans auf die Kaserne. „Die Sicherheitskräfte haben korrekt gehandelt. Sie haben auf die Angriffe nicht reagiert, um die Gewalttätigen unter Kontrolle zu halten und ein Blutbad zu vermeiden“, sagte der Innenminister. Den Tod von Sandri durch den Schuss des Verkehrspolizisten Luigi Spaccatorella bezeichnete Amato als „absurd und ungerecht“, aber auch als „gesuchte Gelegenheit“ für die Hooligans, die Polizei anzugreifen.

Gegen Spaccatorella wird inzwischen wegen möglichen Totschlags ermittelt. Nach Angaben von Amato habe sich der Schuss doch nicht aus Versehen aus der Waffe des Beamten gelöst. Die Ermittlungen hätten ergeben, dass der 32-Jährige von der anderen Seite der Autobahn mit ausgestreckten Armen geschossen habe, erklärte Amato in einer Ansprache vor dem Parlament. Zeugen hatten berichtetet, dass Spaccatorella mit gestrecktem Arm auf das Auto mit dem Fan von Lazio Rom geschossen hatte, vermutlich, um die Reifen zu treffen.

Am Dienstag pilgerten Hunderte Menschen ins Zentrum von Rom, wo der Sarg mit dem Leichnam Sandris in einem Gemeindesaal aufgebahrt wurde. Das Begräbnis des 26-jährigen Anhängers von Lazio Rom ist für diesen Mittwoch in Rom geplant.