SANDHAUSEN - Er kam mit Begleitschutz und ging mit einem Lächeln. Als Fifa-Schiedsrichter Michael Kempter sein erstes Spiel seit Bekanntwerden der Affäre um Manfred Amerell gemeistert hatte und erleichtert den Weg in die Kabine antrat, brandete auf den Zuschauerrängen in Sandhausen Applaus auf. „Da lief es mir eiskalt den Rücken runter. Das hat mich beeindruckt. Der Druck war brutal“, sagte Kempter nach seinem Comeback beim Drittligaspiel zwischen dem SV Sandhausen und Holstein Kiel (1:1).

59 Tage lang hatte Kempters Karriere wegen des Skandals um Amerell am seidenen Faden gehangen. Doch das war dem 27-Jährigen in der nordbadischen Fußball-Provinz nicht anzumerken. Nennenswerte Fehler unterliefen Kempter nicht. „Ab sofort gibt es keinen Blick mehr zurück, sondern nur noch nach vorne. Ich bin froh, dass alles so gut gelaufen ist“, sagte Kempter.

„Er hat souverän gepfiffen“, befand DFB-Schiedsrichterbeobachter Roland Schäfer. Wann und ob Kempter wieder in der Bundesliga pfeifen wird, ist weiter offen. Der Referee soll langsam zurück an die Spitze geführt werden. Vor kleiner Kulisse hatte Kempter in der äußerst fairen Partie allerdings auch leichtes Spiel. Die 1370 Zuschauer hielten sich mit bösartigen Sprechchören zurück.

Die Polizei hatte vor Spielbeginn die Zuschauer durchsucht, Banner mit Sprüchen gegen Kempter wurden aber keine gefunden. Ein bis zum Hals tätowierter Bodyguard bewachte den 27-Jährigen.

Drittliga-Spitzenreiter VfL Osnabrück verlor indes sein Spiel bei Erzgebirge Aue 0:3. „Heute kann gefeiert werden“, sagte Aues Trainer Ricco Schmitt nach dem Sprung auf Platz zwei.