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NWZonline.de Sport Fußball

Schiedsrichter bevorzugen Heim-Teams

07.04.2011

KöLN Das Tor für die Gastgeber fiel mit dem Schlusspfiff. Aber hätte nicht lange abgepfiffen sein müssen? Oder die Gelbe Karte: Warum wurde sie dem Gästespieler gezeigt, obwohl ein Spieler der Heimelf bei einer vergleichbaren Aktion unbestraft blieb? Wird der Gast benachteiligt?

Diese immer diskutierten Fragen beantworten Experten jetzt mit einem grundsätzlichen „Ja“. Studien von Sportwissenschaftlern und Ökonomen kommen alle zu dem selben Ergebnis. „Dieser Typ der Verzerrung ist weit verbreitet in allen professionellen europäischen Fußballligen und auch in den USA“, stellt Thomas Dohmen fest. Der Leiter des Forschungsinstituts für Arbeitsmarkt und Berufsbildung der Universität Maastricht hat für seine Studien zum Phänomen des Heimvorteils Daten aus zwölf Bundesliga-Spielzeiten ausgewertet. Er stellt aber auch klar: Die Benachteiligung erfolgt immer unbewusst.

Im Schnitt 22 Sekunden Extra-Nachspielzeit geben Schiedsrichter, wenn das Heimteam mit einem Treffer zurückliegt. „Das ist genau die Zeit, die man braucht, um noch einmal vors Tor zu kommen – das kann entscheidend sein“, sagt Dohmen.

Auch von fälschlicherweise gegebenen Elfmetern und Toren profitierten seinen Auswertungen zufolge öfter die Gastgeber. Gelbe Karten gehen dagegen häufiger an die Spieler der angereisten Teams. Statistisch sähen sie eine „halbe“ Gelbe Karte mehr pro Spiel als die Heimmannschaft, sagt Daniel Memmert, Leiter des Instituts für Kognitions- und Sportspielforschung an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln.

Ein wichtiger Faktor ist zudem der Zuschauerlärm. Experimente hätten gezeigt, dass Schiedsrichter bei lauter Geräuschkulisse eher geneigt sind, Karten zu zücken, berichtet Memmert. „Im Unterbewusstsein wird das Geräusch als Zeichen gewertet, dass doch etwas war.“ Je mehr Zuschauer und je näher sie am Spielfeld sitzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Spielverzerrung.

All das liege aber weniger an den Unparteiischen als am Geschehen auf dem Platz, sagt der ehemalige Profireferee Lutz Michael Fröhlich, der jetzt die Schiedsrichterabteilung des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) leitet. „Es liegt an den unterschiedlichen Spielsystemen der Teams.“

Allerdings habe der statistisch nachweisbare Heimvorteil von alleine in den vergangenen Jahrzehnten weiter abgenommen, sagt Memmert. Das liege auch daran, weil das Medieninteresse für Auswärtsmannschaften inzwischen oft genauso groß ist wie bei einem Heimspiel.

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