Gelsenkirchen - Das 63-Sekunden-Tor sorgte noch lange nach dem Schlusspfiff für Diskussionen. „Der Schiedsrichter hat mir angezeigt, dass er es auf dem Videowürfel gesehen hat“, berichtete Max Meyer vom Fußball-Bundesligisten Schalke 04. „Ich will nichts unterstellen“, sagte Horst Heldt. Aber kräftig räuspern wollte sich der Schalke-Manager nach dem 2:0 gegen Eintracht Frankfurt doch. Heldt tritt für einen offiziellen Videobeweis ein, „aber nicht über den Videowürfel. Dann ist es nicht regelkonform.“
Meyer (59. Minute) hatte am Freitag vorgelegt, Julian Draxler zwei Minuten später vermeintlich auf 2:0 erhöht. Aber Schiedsrichter Christian Dingert benötigte für die Rücknahme dieses Treffers viel Zeit und die Rücksprache mit seinem Assistenten.
„Ich habe die Fahne nicht gesehen – und dann ist der Videobeweis in Kraft getreten“, behauptete Heldt. 63 Sekunden dauerte es, bis Dingert und sein Assistent Martin Petersen den Treffer aberkannten. Angeblich ohne Blick auf den großen Würfel inmitten der Schalker Arena, wo die strittige Szene gerade wiederholt wurde. Dingert: „Wir haben uns gar nicht damit befasst. Das dürfen wir nicht. Denn wir müssen die Fakten, die wir sehen, bewerten.“ Der Videobeweis ist in deutschen Profiligen nicht zugelassen.
Er selbst habe Draxler im Abseits gesehen, sei sich aber nicht sicher gewesen, ob der Ball zuletzt von einem Schalker oder Frankfurter berührt worden war. Deshalb habe der Mann an der Außenlinie richtigerweise seine Fahne halb gesenkt, erläuterte Dingert. Gemeinsam hätten sie dann gegen Schalke entschieden: „Wir haben unsere Informationen zur richtigen Entscheidung zusammengefügt“, ergänzte der Fifa-Unparteiische.
Weil der eingewechselte Jefferson Farfán in der Nachspielzeit dann doch noch ein gültiges und unumstrittenes Tor erzielte, waren alle Schalker völlig gelassen. Mit 58 Punkten ist den Königsblauen die direkte Königsklassenteilnahme kaum noch zu nehmen, wenngleich Trainer Jens Keller warnte: „Es gibt keinen Grund, uns auszuruhen.“
Ähnlich bewertete Eintracht-Coach Armin Veh die Situation, wenngleich aus einem anderen Blickwinkel. „Mir kann keiner garantieren, dass man mit 35 Punkten drinbleibt“, sagte der scheidende Eintracht-Coach zu der Tatsache, dass sein Team mit dem Abstieg wohl kaum noch etwas zu tun haben dürfte.
Unterdessen kündigte Frankfurts Wunschkandidat für die Nachfolge von Armin Veh, Roger Schmidt, eine schnelle Entscheidung an. Der 47-Jährige steht noch bis 2016 bei RB Salzbug unter Vertrag. „Es gibt gute Gründe hierzubleiben. Vielleicht gibt es aber auch einen Grund, zu gehen.“
