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NWZonline.de Sport Fußball

Schiedsrichter pfeifen auf dumme Sprüche

13.05.2014

Oldenburg Zweikampf nahe der Eckfahne, der Ball geht ins Seitenaus, der Unparteiische entscheidet auf Einwurf für Blau. Es folgt ein mahnender „Schiedsrichter!“-Zwischenruf von der Tribüne, mit langer Betonung der letzten Silbe. Man hat das Gefühl, der Absender der lautstarken Kritik hat die Situation selber nicht genau gesehen, sondern sich einfach eine Entscheidung zugunsten seiner grünen Mannschaft gewünscht.

Das ist bei dem D-Jugendspiel zwischen den Oldenburger Kreisligamannschaften des VfL (Grün) und VfB (Blau) aber auch die einzige „Aktion“ gegen den in leuchtendem Gelb gekleideten Leo Mecklenborg. Der 15-Jährige, der seit einem Jahr Fußballspiele aller Jugendklassen pfeift, ist hinterher zufrieden: „Es war ein gutes und faires Spiel.“

Eltern zufrieden

Und auch die Eltern der Kicker, die sich das Spiel bei regnerischem Wetter von der überdachten Tribüne aus ansehen, loben Mecklenborg. „Perfekt – so muss das sein“, meint Bernd Neumann, Vater des VfLers Niklas, und ergänzt: „Es ist ja klar, dass man sich als Anhänger wünscht, dass für den VfL gepfiffen wird.“ Jörg Vasterling bescheinigt Mecklenborg einen guten Job. „Er hat das gut gemacht. Zwei, drei Fehlentscheidungen – aber man kann in 60 Minuten auch nicht alles richtig pfeifen“, sagt der Vater des VfB-Spielers Jonas.

35 Schiedsrichter werden jedes Jahr ausgebildet

Im Kreis Oldenburg sind insgesamt 209 Schiedsrichter aktiv. An einem normalen Spieltagswochenende sind von ihnen etwa 120 im Einsatz, teilt André Schnor, Schiedsrichter-Lehrwart für den Kreis Oldenburg-Stadt, mit.

35 Schiedsrichter werden jedes Jahr ausgebildet. Früher sei die Zahl höher gewesen. Um die Qualität zu wahren, sei irgendwann eine Grenze eingeführt worden, berichtet Schnor. Das Interesse an einem Schiedsrichterlehrgang habe sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. „Gleichbleibend“, stellt der Lehrwart fest. Mit Plakaten werde beispielsweise Werbung für diese Lehrgänge gemacht.

Einen Trend, dass Jugendliche auf Fußballplätzen gewalttätiger werden, „stellen wir in Oldenburg nicht fest. In größeren Städten wie Berlin oder Hamburg merkt man das eher“, sagt Schnor.

Dem pflichtet André Schnor, Schiedsrichter-Lehrwart für den Kreis Oldenburg-Stadt, bei: „Ich sage den Jungen immer, wenn einer ein perfektes Spiel macht, soll er mich anrufen. Ich habe in 24 Jahren noch keines gehabt.“ Der 46-Jährige bildet seit fünf Jahren Schiedsrichter in Oldenburg aus. Er schaut sich die Partie an, um Mecklenborg Rückmeldung zu geben, an diesem Tag gibt es wenig zu verbessern. Die von einem Zuschauer kritisierte Einwurf-Szene gehört nicht dazu. „Er hat schnell entschieden – das war gut. Das war einfach nicht so genau zu sehen.“

Dass Schiedsrichter nur Lob erhalten, ist nicht immer der Fall. Manchmal werden sie sogar tätlich angegriffen – sogar im Jugendfußball. Erst vor wenigen Wochen wurde in Dortmund bei einem A-Jugendspiel der Schiedsrichter Gregor Podeschwa nach einer Foulentscheidung vom Vater des gefoulten Spielers in den Rücken getreten. Podeschwa musste sich im Krankenhaus behandeln lassen. In den Niederlanden wurde 2012 ein Linienrichter bei einem Jugendspiel von 15- und 16-Jährigen so brutal zusammengetreten, dass dieser an den Verletzungen starb.

Wenige Zwischenfälle

Derartiges haben Schnor und Mecklenborg noch nicht erlebt. „Einmal ist ein wütender C-Jugend-Trainer auf das Spielfeld gelaufen und hat mich angeschrien“, sagt Mecklenborg. Und an einen zweiten Vorfall erinnert er sich: „Ich habe einem Spieler wegen Beleidigung die Rote Karte gezeigt, dann ist er auf mich zu gekommen und hat mich weiter beleidigt. Teamkollegen haben ihn dann zurückgehalten.“ Schnor berichtet von seinem unvergesslichsten Erlebnis. „Da hat ein Sponsor mich bis nach Hause verfolgt. Bereits auf dem Platz hatte man mich massiv beleidigt und bedroht. Ich war da schon 33 Jahre alt – einem jüngeren Schiedsrichter wäre da vielleicht die Lust auf das Pfeifen vergangen“, meint er.

Tätliche Angriffe kommen also sehr selten vor – Beleidigungen öfter. „Man wird schon mal als ,Blinder’ oder ,Arschloch’ beschimpft“, erzählt Schnor: „Man darf das nicht persönlich nehmen. Emotionen gehören zum Sport.“ „Manche Trainer schreien mal ein bisschen mehr – das gehört dazu“, meint auch Mecklenborg, aber „schön ist es natürlich nicht, beleidigt zu werden“.

Brief an Eltern

Dass verbale Attacken gegen Schiedsrichter häufiger auftreten, hat Lasse Otremba beobachtet. „Wir sagen den Spielern immer, dass das Quatsch ist“, betont der VfB-Jugend-Trainer. „Die Schiedsrichter geben ihr Bestes. Keiner geht auf das Feld und denkt: Heute pfeif ich für Blau oder Grün.“

Da diese verbalen Attacken gerade in jüngeren Mannschaften meist von den Eltern kommen, hat die Fußball-Abteilung von Schwarz-Weiß Oldenburg einen Brief an die Eltern verfasst, in dem sie gebeten werden, „Meckereien zu unterlassen“, den Schiedsrichter „nicht lautstark zu beschimpfen“ und als Vorbild aufzutreten. Die Vereinsführung sei „im Großen und Ganzen mit dem Verhalten auf dem Platz sehr zufrieden“, aber „das soll auch so bleiben“.

Mathias Freese Redakteur / Sportredaktion
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