Paderborn - Fußball-Bundesligist Werder Bremen hat im Rennen um die Teilnahme an der Europa League einen Rückschlag hinnehmen müssen – und fühlte sich am Sonntag doch zumindest als kleiner Gewinner. Denn trotz einer ganz schwachen Leistung schaffte es die Mannschaft von Trainer Viktor Skripnik, aus einem 0:2-Rückstand beim SC Paderborn noch ein 2:2 (1:2) zu machen und große Moral zu beweisen.

Mario Vrancic (25. Minute) und Moritz Stoppelkamp (27.) erzielten vor 15 000 Zuschauern die Tore für Paderborn. Werder kam durch Davie Selke (45.) und den Premierentreffer des kurz zuvor eingewechselten Izet Hajrovic (75.) zum schmeichelhaften Punkt.

„Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht. Wille und Entschlossenheit haben in den entscheidenden Situationen gefehlt“, sagte Werders Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic. „Das Spiel hätte nur einen Sieger verdient gehabt. Wir haben es verpasst, das Spiel zu entscheiden“, sagte SC-Coach André Breitenreiter. Skripnik sprach von „einem glücklichen Punkt“. Der Ukrainer gab zu, dass man mit 39 Punkten und „positiven Kopfschmerzen“ ein wenig Richtung Europa schiele. Werder rutschte zwar vom siebten auf den neunten Platz ab, hat aber weiter alle Chancen.

Der Auftritt in Paderborn hatte jedoch nichts mit internationalen Ansprüchen zu tun. Werder präsentierte sich im Angriff ideenlos und hatte in der Abwehr große Mühe, den Aufsteiger zu kontrollieren.

Gerade bei gegnerischen Ecken fehlte den Bremern jegliche Zuordnung. Beim ersten Gegentor durch Vrancic ließ Clemens Fritz dem Torschützen zu viel Platz, beim zweiten setzte Theodor Gebre Selassie seinen Körper gegen Stoppelkamp nicht gut genug ein. „Wir waren überhaupt nicht dran an den Leuten, das ist normal eine Stärke von uns“, erkannte Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin. Der erneut starke Torwart Koen Casteels kritisierte: „Wir waren bei Ecken und Flanken sehr anfällig, das darf einfach nicht sein. Es gab eine klare Zuteilung.“

Werder brauchte einige Zeit, um zurück ins Spiel zu finden. Junuzovic (42.) lief alleine auf das Paderborn-Tor zu, traf aber SCP-Schlussmann Lukas Kruse im Gesicht. Kurz vor der Pause fiel der Anschlusstreffer doch. Selke kam aus kurzer Distanz zum Kopfball, Prödl hatte vorgelegt.

Wer nun vermutete, Werder käme gestärkt aus der Kabine, sah sich getäuscht. Rafa Lopez (46.) prüfte Casteels per Kopfball gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit. Paderborn drückte auf den dritten Treffer und hatte mehrere gute Kopfballgelegenheiten. Wiederholt zeigte Casteels, der erneut den Vorzug vor Raphael Wolf erhalten hatte, seine Klasse.

Es brauchte das glückliche Händchen Skripniks, um die Gäste zurück ins Spiel zu bringen. Der Trainer wechselte Hajrovic für Alejandro Galvez ein – und der Bosnier bedankte sich nur 82 Sekunden später mit einem Flachschuss zum 2:2. Für Hajrovic war es das erste Bundesliga-Tor.

Weil Paderborns Michael Heinloth in der 78. Minute die Gelb-Rote-Karte sah, war sogar ein Sieg für Werder drin. In Überzahl aber demonstrierte Bremen seine Einfallslosigkeit an diesem Tag und kam zu keiner weiteren Torchance. „Wir haben heute wirklich schwach gespielt. Positiv ist aber, dass wir inzwischen in diesen Spielen zurückkommen können“, brachte Trainer Skripnik die 90 Minuten in Paderborn auf den Punkt.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion