Christian Brand
(36) spielte für den VfB Oldenburg, Werder Bremen und Hansa Rostock. Er lebt in in der Schweiz und macht den Trainerschein. Exklusiv für diese Zeitung berichtet er von der EM.Sommermärchen ist ein toller Name. Vor der WM 2006 kannte niemand diesen Ausdruck. Danach wurde Sommermärchen in einem Atemzug mit der deutschen Mannschaft genannt. Toller, begeisternder Fußball, Sommerwetter und wildfremde Menschen lagen sich freudetrunken in den Armen.
Die EM 2008 sollte auch ein Sommermärchen werden. Dieses Mal aus Schweizer Sicht. Aber Märchen kann man nicht kopieren. Man kann sie nur anders erzählen oder verändern. Es ist nicht mehr so wirkungsvoll wie das Original, weil die eigene Fantasie immer ein Detail auslässt oder hinzufügt. Kurz, es ist besser, man schreibt sein eigenes Märchen.
Die Eidgenossen sind schon in den Ansätzen stecken geblieben. Das Wetter hat nicht mitgespielt, vom ersten Tag nicht. Der Schweizer Torjäger Alex Frei hat sich früh verletzt, die Frau des Bundestrainers Jakob Köbi Kuhn wurde ins Krankenhaus eingeliefert, und nun sind sie auch noch als erstes Team aus dem Turnier geflogen. Bereits nach dem zweiten Spiel, weil sie keinen Oliver Neuville haben, der wie 2006 gegen Polen nur eine Chance benötigt, um zu treffen.
Die Schweiz hat auch keinen Ballack, Frings, Lahm, Klose oder einen ähnlichen Hochkaräter, der in den entscheidenden Phasen den Unterschied ausmachen könnte.
Es ist eine Frage der Qualität. Und die hat bei den Schweizern nicht ausgereicht. Sie haben phasenweise gut gespielt, hatten die Fans auf ihrer Seite und haben sich redlich bemüht. Aber wie das so ist, wenn sich jemand bemüht. Oft reicht es einfach nicht. In der Schweiz hatte man schon vor der EM den Eindruck, dass die Skepsis größer war als die Vorfreude.
Ein Märchen war es zu keiner Zeit eher ein schlechter Traum. Der aber wenigstens kurz und schmerzlos.
