SCIACCA - Was der 21-jährige Jerome Boateng über das brutale Foul seines Halbbruders denkt, ist unbekannt. Am Montag sah Bundestrainer Joachim Löw aber den Anlass gegeben, nach dem WM-Aus von Michael Ballack um Unterstützung für den nahen Verwandten von Kevin-Prince Boateng zu werben. „Ich habe ihm gesagt, dass wir vorbehaltlos zu ihm stehen. Er ist zwar Familienmitglied, aber er ist völlig unbeteiligt. Ich bitte alle, ihn in die Sache nicht hineinzuziehen“, sagte Löw im Trainingslager der Fußball-Nationalmannschaft in Sizilien.
Ins Visier geraten ist der Halbbruder des Abwehrspielers vom Hamburger SV, Kevin-Prince Boateng. Der 23-Jährige hatte Ballack am Sonnabend im englischen Pokalfinale so brutal gefoult, dass der DFB-Kapitän für die Weltmeisterschaft ausfällt. Boateng soll in Südafrika für den letzten deutschen Gruppengegner Ghana auflaufen. Er hatte sich im Gegensatz zu Jerome sportlich für das Land seines Vaters entschieden.
Sein Image als böser Bube wollte er längst abgelegt haben. Doch nach dem brutalen Tritt steht Kevin-Prince Boateng vor allem in seinem Geburtsland Deutschland mehr denn je als Buhmann da. Löw mochte dem Übeltäter „keinen Vorsatz“ unterstellen. Kevin-Prince ist als Fußball-Talent, aber auch als großspuriger und disziplinloser Spieler bekannt. Er und Jerome haben denselben Vater, aber verschiedene Mütter, bei denen sie aufgewachsen sind.
Derweil hat der Vater von Kevin-Prince Spekulationen um eine mögliche Revanche-Tat angeheizt. Ballack und sein Sohn seien schon früher wiederholt aneinandergeraten, sagte Prince Boateng. So habe Ballack Kevin in einem Bundesligaspiel absichtlich auf den Fuß getreten. In den Augen des Vaters sei das Foul am Sonnabend eine Reaktion darauf gewesen. Allerdings wehrt er sich dagegen, seinem Sohn immer gleich Absicht zu unterstellen. „Immer ist Kevin der Buhmann. Das kann nicht sein“, meinte der Vater.
