SCIACCA - Der verletzte Kapitän fliegt mit seiner Familie auf die nächste Mittelmeer-Insel für alle anderen heißt es Arrivederci Sizilien und Benvenuto in Südtirol. Der deutsche WM-Tross zieht weiter in den Norden Italiens und nimmt im Gepäck einen Sack voller Probleme mit, die Joachim Löw in den 13 Tagen bis zum Ende des zweiten Trainingslagers angehen muss. Wie kann der Ausfall von Michael Ballack kompensiert werden? Wer wird WM-Torwart? Welche drei Spieler werden zum 1. Juni aussortiert? Wer schafft den Sprung in die erste Elf? Und nicht zuletzt: Wer wird Kapitän?
Der Bundestrainer will diese Fragen erst nach dem Eintreffen der sieben Bayern-Spieler nach dem Champions-League-Finale in aller Ruhe und ohne jede Hektik beantworten. Den Plan für die anstehenden Personal-Entscheidungen hat er bereits im Koffer, wenn es an diesem Freitag mit dem Charterflieger von Palermo weiter nach Verona geht. Aber das wollen wir erst einmal mit den Spielern besprechen, bevor wir es öffentlich machen, teilte Löw am Donnerstag mit.
Wir werden weniger im Fitness-Raum sein und mehr auf dem Trainingsplatz stehen. Das Einüben von taktischen Varianten und Spielzügen soll im Mittelpunkt stehen, umriss Löw die wichtigsten Ziele für die zweite Etappe der WM-Vorbereitung.
Am Donnerstag verabschiedeten die 19 WM-Kandidaten der Fußball-Nationalmannschaft ihre Familien, die nach einer Woche auf Sizilien zurück in die Heimat reisten. Mit dem Umzug nach Eppan an der Südtiroler Weinstraße beginnt die entscheidende WM-Vorbereitung ohne weitere private Ablenkungen. Es ist für uns enorm wichtig, dass gewisse Automatismen stimmen. Das wird jetzt ein Schwerpunkt sein.
Von den Tagen auf Sizilien, von wo aus Ballack zur Wetten dass?-Show von Entertainer Thomas Gottschalk nach Mallorca fliegt, bleibt bei den deutschen Fans vor allem die düstere Stimmung nach dem Ausfall des wichtigsten deutschen Spielers zurück. Passend dazu regnete es in Sciacca am letzten Trainingstag nochmals aus finsteren Gewitter-Wolken.
Wir müssen als Gruppe einen Schritt nach vorn machen, betonte Abwehrchef Per Mertesacker, eine der wenigen Team-Säulen, die Löw bisher hat. Er forderte alle Kollegen zu noch mehr Engagement, Willen und Einsatz in den kommenden Trainingstagen sowie den Testspielen am 29. Mai in Ungarn und am 3. Juni in Frankfurt gegen Bosnien-Herzegowina auf.
Mertesacker gehört zur Mini-Gruppe von acht Spielern, die überhaupt schon einmal bei einem großen Turnier zum Einsatz kamen und im Südafrika-Kader stehen. Aus diesem Kreis wird Löw in den Südtiroler Weinbergen auch den neuen Anführer bestimmen. Die Bewerbungen liegen auf dem Tisch, der neue Kapitän kann nur ein Bayern-Profi sein. Der Münchner Präsident Uli Hoeneß empfahl den 64-maligen Nationalspieler Philipp Lahm, obwohl die Vereins-Kollegen Miroslav Klose (94) und Bastian Schweinsteiger (73) mehr A-Einsätze vorweisen können.
