SEVILLA - Sevilla feiert den ersten europäischen Finaleinzug seiner Geschichte. Schalke bleibt hinter den Ansprüchen zurück.
von Joachim Neußer
SEVILLA - Als eine Minute vor Mitternacht der Schlusspfiff ertönte und der Traum vom Finale (10. Mai in Eindhoven gegen Middlesbrough) für den FC Sevilla wahr wurde, erleuchtete ein Feuerwerk den Nachthimmel von Andalusien. Die Spieler von Schalke 04 indes waren bei der Fußball-Party und dem berühmten Volksfest „La Feiria de Abril“ mit unbeschreiblichen Freudentänzen im Estadio Sanchez Pizjuan nur schmuckloses Beiwerk. Nach der 0:1 (0:0)-Pleite nach Verlängerung schlichen die Spieler frustriert und mit hängenden Köpfen vom Platz. Nach dem Champions-Liga- ist nun auch der Uefa-Cup-Traum geplatzt. Europacup-Einnahmen von 33 Millionen Euro brutto sind dagegen nur ein schwacher Trost.Anstatt die Saison noch zum Guten zu wenden und die deutsche Fußball-Ehre im Europapokal zu retten, verschenkten die Schalker gegen einen mittelmäßigen Gegner mit einem Auftritt ohne Leidenschaft das Endspiel: Das Spiel der „Knappen“ hatte keine Seele, keine Klasse, keinen Plan. Erst nach dem 1:0 durch Antonio Puerta (101.) hatten Gustava Varela und Marcelo Bordon zwei Möglichkeiten – ein Armutszeugnis für die hochkarätige Offensivabteilung der Königsblauen.
Schon vor dem Gastspiel in Sevilla hatte Manager Rudi Assauer erklärt, „wenn wir den Pott nicht holen, können wir alles in die Tonne kloppen“. Ein Teil der 1200 nach Sevilla gereisten Fans war so sauer, dass sie vor dem Stadion die im Mannschaftsbus sitzenden Spieler anpöbelten. „Die Saison ist eine Enttäuschung“, befand Ebbe Sand. Vor allem die Nationalspieler Asamoah, Ernst und Kuranyi präsentieren sich derzeit so schwach, dass Bundestrainer Jürgen Klinsmann Angst und Bange werden dürfte. Teammanager Andreas Müller war mit der Spielzeit 2005/2006 auch nicht zufrieden, gab aber zu bedenken: „Wir dürfen nach einer Enttäuschung nicht alles in Frage stellen.“
