Bremen - Einen besseren Einstand kann man als Torwart einer Mannschaft nicht haben: Im Nordderby gegen den Hamburger SV zu Null gespielt, eine solide Leistung gezeigt und den insgesamt 500. Heimsieg von Fußball-Bundesligist Werder Bremen gefeiert. Kein Wunder, dass Koen Casteels über das ganze Gesicht strahlte, als er den Rasen des Weserstadions verließ. „Nach 80 Minuten war ich mir sicher, dass es 0:0 endet“, gestand der Belgier und analysierte erfrischend ehrlich: „Es war kein gutes, sondern ein langsames Spiel mit wenigen Chancen. Die Ideen waren auf beiden Seiten nicht da.“
Die Leihgabe vom VfL Wolfsburg war überraschend von Werder-Trainer Viktor Skripnik ins Tor berufen worden. Noch am Donnerstag hatte der Trainer betont, dass Stammkeeper Raphael Wolf trotz einiger Patzer auch gegen den HSV sein Vertrauen bekommt. Tatsächlich hütete aber Casteels erstmals in der Liga das Gehäuse. Bisher war er nur bei der 1:3-Pokalniederlage bei Arminia Bielefeld zum Einsatz gekommen.
Weil der HSV in der Offensive zu harmlos war, verlebte der Keeper einen ruhigen Nachmittag, strahlte aber bei den wenigen Situationen vor seinem Tor große Ruhe aus. „Er hat keinen Fehler gemacht. Also arbeiten wir weiter mit ihm“, erklärte Skripnik und ließ damit durchblicken, dass Casteels in den letzten fünf Saisonspielen Werders Nummer eins bleiben wird.
Skripnik überraschte noch mit weiteren Umstellungen. Innenverteidiger Sebastian Prödl agierte am Sonntag auf der linken Abwehrseite – ein für ihn völlig neues Gefühl. „Ich hab tatsächlich erst einmal ein bisschen blöd geguckt“, erzählte der Österreicher und verriet, erst am Sonnabend von Skripnik informiert worden zu sein.
Der 27-Jährige schaffte es, sich die Umstellung dank seiner gewohnten Zweikampf- und Kopfballstärke kaum anmerken zu lassen. In der Offensive jedoch zeigte sich, dass Prödl erstens kein Linksfuß und zweitens kein Spieler ist, der die Linie rauf und runter marschieren kann. „Da ist sicher noch jede Menge Steigerungspotenzial“, erkannte er selbstkritisch.
Ob die Rolle links hinten auch ein Modell für die Zukunft sei, wollte der Österreicher nicht einschätzen. „Ich denke aber, David Alaba muss sich in der Nationalmannschaft keine Sorgen machen“, sagte er lachend in Anspielung auf seinen Landsmann in Diensten des FC Bayern, der auf der linken Seite agiert.
Özkan Yildirim war Skrip-niks dritte Überraschung. Der 22-Jährige, der erst in der vergangenen Woche nach langer Verletzungspause in der Bremer Reserve sein erstes Saisonspiel absolviert hatte, rückte auf die Zehner-Position. Yildirim agierte unauffällig, deutete aber seine technische Stärke vereinzelt an. „Viktor hat das grandios gemacht, großen Mut bewiesen und ist belohnt worden“, lobte Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin den Trainer.
