Kommt ein Mann ins Frisörgeschäft. Der Frisör fragt: „Wir soll ich Ihnen die Haare schneiden?“ Der Mann antwortet: „Ohne Kommentare zum Fußball!“
Der banale Witz kennzeichnet das Dilemma der deutschen WM-Kommentatoren. Ohne sie geht es nicht, aber mit ihnen wollen viele auch nicht den Tag zubringen. Es ist das Schicksal der WM-Erklärer, dass sie es wenigen Recht machen können. Auch nach Jahrzehnten hat das Fernsehen keine Form entwickelt, die atemlose Spannung zu verbreiten wie etwa die Radio-Konferenzschaltung von der Bundesliga.
Dabei machen die Live-Kommentatoren grundsätzlich keine schlechte Figur. Anfangs sind sie ebenso wenig unangenehm aufgefallen wie die Schiedsrichter. Und bis zum Beginn des Viertelfinales heute sind sie sogar nicht derart ins Gerede gekommen wie zuletzt die Spielleiter. Ergo: Ein Überflieger ist aus der Kommentatoren-Herde nicht aufgestiegen.
Bela Rethy (ZDF) und Steffen Simon (ARD) stehen für diese Art von Reportern, die die Zuschauer wenig belästigen. Rethy ist ein Fachmann, der sich sehr gewissenhaft vorbereitet und das auch sprachlich gediegen anbringt. Auch Simon verfügt über solides Hintergrundwissen, er könnte das Spiel sauber auseinander pflücken. Die Kollegen von Poschmann (ZDF) über König oder Bartels (beide RTL) bis zu Wark (ZDF) pflegen weitgehend diesen Stil. Er passt zu einer WM, die wenige Spiele liefert, die ans Herz gehen. Im Turnier ist Fußball der Sport der Taktiker und Athleten. Solche Spiele kann man erklären, wenn man sie versteht.
Die Kommentatoren nehmen den Zuschauer ins Boot, indem sie ihm erzählen, was er ohnehin sieht: „Da hat Lehmann Mühe, den Ball zur Ecke zu bugsieren.“ Der legendäre Satz: „Aus dem Hinterhalt müsste Rahn schießen“, würde bei ihnen lauten: „Rahn hat geschossen.“ Nur Großmeister Marcel Reif dringt tiefer ins Spiel ein. Das kann bei Premiere kaum für die dortigen anderen Sülz-Quatscher entschädigen.
Die Enttäuschung bereitet der früh als Nummer eins gesetzte Reinhold Beckmann. Er schien im Ecuador-Spiel auf dem Weg aus seinem anfänglichen Tief. Aber inzwischen sucht man wieder vergeblich nach den Gründen, die in der ARD für ihn und gegen Gerd Rubenbauer gesprochen haben. Dabei kann Beckmann herzhaft, urteilssicher und temperamentvoll sein.
Beckmann kommentiert heute das deutsche Spiel gegen Argentinien. Es ist auch seine Chance, überzeugend ins Finale einzuziehen.
