Oldenburg/Bielefeld - Das Brüderpaar Albert (59) und Paul Sprehe (57) wird vor dem Landgericht Bielefeld wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt.

Den beiden Geschäftsführern der Sprehe Unternehmensgruppe, die ihren Hauptsitz in Cappeln (Kreis Cloppenburg) hat, wird vorgeworfen, die Gehaltszahlungen für zahlreiche Spieler, Betreuer und Trainer der beiden Fußball-Vereine SV Wilhelmshaven und FC Schüttorf durch zwei Firmen mit Sitz in Rheda-Wiedenbrück (Kreis Gütersloh) übernommen zu haben. Dies soll im Zeitraum von von 2003 bis 2008 geschehen sein. Die Gehaltszahlungen sollen nach den Erkenntnissen der Bielefelder Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in den Steuererklärungen der jeweiligen Firmen, die der Sprehe Gruppe angehören, als „Betriebsausgaben“ erfasst worden sein. Entsprechend dem „Tatplan“ der Sprehe-Brüder, so heißt es in einer Mitteilung des Landgerichts, habe das Vorgehen zu einer Gewerbe- und Einkommenssteuerverkürzung von über 1,8 Millionen Euro geführt. Ein Sprecher des Landgerichts bestätigte am Montag gegenüber dieser Zeitung, dass der Prozessauftakt bereits für diesen Dienstag angesetzt sei.

Auch der damals und noch heute verantwortliche Vorsitzende des SV Wilhelmshaven, Dr. Hans Herrnberger, sowie die stellvertretende Vorsitzende, Martina Biermann, sitzen mit auf der Anklagebank. Sie sollen zusätzlich von Februar 2005 bis Dezember 2008 pflichtwidrig keine Schenkungssteuererklärungen auf die Spielergehälter abgegeben und dadurch knapp 860 000 Euro hinterzogen haben.

Das Engagement der Sprehes in der Sport-Szene ist bekannt. Nachdem Albert Sprehe zunächst bei den Fußballern des BV Cloppenburg Ende der 1990er Jahre als Hauptsponsor fungierte, unterstützte er von 2000 bis 2002 den VfB Oldenburg. Als der Verein trotz seiner finanziellen Hilfe nicht den Sprung in den Profifußball schaffte, zog es Sprehe zur Saison 2002/2003 zum SV Wilhelmshaven. Seit der Spielzeit 2010/2011 tritt Albert Sprehe als Hauptsponsor der Fußball-Frauen des BV Cloppenburg auf, denen 2013 der Aufstieg in die höchste Spielklasse gelang, ehe das Team nach nur einer Saison zurück in Liga zwei abstieg. Neben diesen Aktivitäten zählen die Brüder mit ihrem Gestüt in Löningen-Benstrup zu den ersten Adressaten in der deutschen Pferdezucht.

Ob der Prozess tatsächlich an diesem Dienstag startet, war am Montag aufgrund einer Erkrankung eines Richters noch unklar. Das Landgericht Bielefeld hat zusätzlich 16 weitere Verhandlungstage angesetzt. Bis eine Entscheidung fällt, „kann es noch einige Monate dauern“, betonte der Sprecher. Der voraussichtlich letzte Verhandlungstermin sei der 27. Februar 2015.

Lars Blancke
Lars Blancke Sportredaktion