Braunschweig - „Du Papi, wann hat Werder eigentlich zuletzt ein Bundesligaspiel gewonnen?“ „Ach mein Sohn, da musst du Opa fragen.“
Diesen und andere Witze mussten die Spieler des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen monatelang über sich ergehen lassen, doch nun ist die schwarze Serie beendet. Durch einen Treffer von Zlatko Junuzovic in der 82. Spielminute siegte das Team von Trainer Robin Dutt beim Neuling Eintracht Braunschweig mit 1:0 (0:0) und feierte damit nach 13 vergeblichen Anläufen den ersten Erfolg seit dem 4:1 beim VfB Stuttgart am 9. Februar.
„Das ist eine unfassbar lange Durststrecke und bei einem Club wie Werder eigentlich gar nicht vorstellbar“, sagte Dutt, während Junuzovic meinte: „Dieser Sieg ist in vielen Bereichen eine große Erleichterung.“
Anweisung an Prödl
Was dem 25-Jährigen beim Jubel auch deutlich anzumerken war. Nachdem er den langen Pass von Sebastian Prödl mit einem satten Schuss zum goldenen Tor verwertet hatte, brüllte sich Junuzovic den ganzen während der Negativserie angestauten Frust von der Seele. Wie von der Tarantel gestochen rannte er zu den Bremer Fans und klopfte sich immer wieder emotional auf sein Trikot. „Wir waren zu diesem Zeitpunkt nicht mehr souverän. Am Ende war es ein dreckiger Sieg. Aber genau den haben wir mal gebraucht“, sagte Junuzovic.
Dieses Tor vertrieb fürs Erste das drohende Gewitter über der Weser. Und dieses Tor war nicht das Zufallsprodukt, nach dem es zunächst aussah. Der wie ein unkontrollierter Befreiungsschlag wirkende Pass war durchaus gewollt. „Wir haben uns den Treffer ein Stück weit in der Halbzeit erarbeitet“, sagte Dutt und erklärte: „Ich habe in der Pause zu Prödl gesagt, dass die Braunschweiger weit vorrücken. Wenn er einen langen Ball genau bringen kann, dann ist das eine echte Chance.“
Eine Chance, ein Tor – Sieg, drei Punkte. Welch ein Balsam für das geschundene Selbstbewusstsein. Und dazu eine leise Genugtuung gegenüber etlichen Pessimisten, die sich in der vergangenen Woche zu Wort gemeldet hatten. Franz Beckenbauer etwa legte sich da auf Werder als Absteiger fest. „Vor einer Saison wird immer viel spekuliert“, sagte Junuzovic, und Dutt meinte: „Jetzt, wo die erste Tabelle steht, sieht das Stimmungsbarometer sicher schon wieder ganz anders aus.“
Caldirola rettet
Wie Junuzovic allerdings richtig bemerkte, war Werder zum Zeitpunkt des 1:0-Treffers nicht mehr souverän. So traf Ken Reichel mit einem fulminanten Fernschuss die Latte (64.), setzte Ermin Bicakcic einen Seitfallzieher knapp drüber (72.) und musste Luca Caldirola gegen Simeon Jackson auf der Linie retten (88.). „Wir hätten uns über ein 1:1 nicht beschweren dürfen“, sagte Werders Offensivkraft Aaron Hunt.
„Wir werden auch weiterhin um jeden einzelnen Punkt hart kämpfen müssen“, sagte Dutt. Das 1:0 in Braunschweig bedeutet daher zunächst einmal nur eines: Dass nun wieder der Vater dem Sohn die Frage nach Werders letztem Bundesliga-Sieg beantworten kann.
