Frankfurt/Hannover - Als der Anruf kam, auf den sie so lange gewartet hatte, erlebte Bibiana Steinhaus „eine turbulente Achterbahnfahrt der Gefühle“. Freude mischte sich mit Ungläubigkeit, Stolz mit Erleichterung. „Das war schon immer mein Traum“, sagte Deutschlands beste Schiedsrichterin nach ihrem historischen Aufstieg in die Fußball-Bundesliga: „Dass dieser nun wahr wird, erfüllt mich mit großer Freude.“
Als erste Frau wird die 38-Jährige aus Hannover in der kommenden Saison Bundesliga-Spiele leiten. Mit drei weiteren Neulingen wurde Steinhaus am Freitag vom Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf der Liste für die nächste Spielzeit bestätigt – es ist der Anpfiff einer neuen Ära. Eine der letzten Männerbastionen fällt.
„Ich war sprachlos, als mich Lutz Michael Fröhlich anrief“, sagte Steinhaus über das erlösende Telefonat mit dem DFB-Schiedsrichterchef. „Es ist zum einen Bestätigung für die harte Arbeit, zum anderen aber auch ein großer Ansporn, so wie bisher weiterzuarbeiten“, betonte Steinhaus, die bislang im Unterhaus gepfiffen hatte und in der Bundesliga als Vierte Offizielle im Einsatz war.
„Sicherlich stehe ich als Schiedsrichterin gerade zu Beginn der Saison unter besonderer Beobachtung, auch durch die Medien“, sagte die 38-Jährige, die fast schon entschuldigend versicherte: „Ich buhle nicht um die öffentliche Aufmerksamkeit, und meine Kollegen kennen mich gut genug, um das zu wissen.“
Die Lebensgefährtin des Fifa-Schiedsrichters Howard Webb (45) leitet seit der Saison 2007/08 Spiele der 2. Bundesliga. Seit der Saison 2008/2009 wird sie auch im DFB-Pokal der Männer eingesetzt. Zu ihrem Aufstieg in die Bundesliga gratulierte ihr DFB-Präsident Reinhard Grindel. „Hoffentlich ist die erste Schiedsrichterin in der Bundesliga ein Ansporn für viele junge Mädchen in unserem Land, ihr nachzueifern.“
Im Frauen-Fußball war Steinhaus unter anderem schon bei den Weltmeisterschaften 2011 und 2015 sowie bei den Olympischen Spielen 2012 im Einsatz. Im Hauptberuf ist sie Polizeibeamtin.
Neben Steinhaus stehen in der kommenden Saison auch die Zweitliga-Referees Martin Petersen (32/Stuttgart), Sven Jablonski (27/Bremen) und Sören Storks (28/Velen) auf der Schiedsrichter-Liste der Bundesliga. Da in Wolfgang Stark, Günter Perl und Jochen Drees (alle 47) nur drei Unparteiische aus Altersgründen ihre Laufbahn beenden werden, erhöht sich die Zahl der Bundesliga-Schiedsrichter auf 24. Zu ihnen zählt Frank Willenborg (38) aus Gehlenberg (Kreis Cloppenburg), für den die jetzt ablaufende Saison die erste als Erstliga-Schiedsrichter war.
