STUTTGART/DORTMUND - Der deutsche Fußball-Meister legte eine peinliche Pleite hin, der lange im Mittelmaß versunkene ehemalige Weltpokalsieger hofft auf seine sportliche Renaissance. Ein Fehlgriff von Torwart-Talent Sven Ulreich und ein Elfmeter-Fehlschuss von Antonio da Silva machten die Pokal-Blamage des Vorjahres-Finalisten VfB Stuttgart gegen den Außenseiter Carl Zeiss Jena perfekt. Dagegen feierte Borussia Dortmund den größten Erfolg seit fünf Jahren und steht nach dem 3:1-Erfolg über Dorfclub 1899 Hoffenheim erstmals seit dem Cup-Gewinn 1989 wieder in der Vorschlussrunde des DFB-Pokals. Diese wird am Sonntag ab 17.10 Uhr in der ZDF-Sportreportage ausgelost. Die Partien finden am 18. und 19. März statt.
„Das ist ein Unding. Ich habe dafür keine Erklärung“, kommentierte VfB-Trainer Armin Veh das 6:7 nach Elfmeterschießen gegen die vom Zweitliga-Abstieg bedrohte kesse Elf aus Jena. VfB-Torwart Ulreich ermöglichte mit seinem Fehlgriff in der Nachspielzeit der Verlängerung dem „Pokalschreck“ aus Thüringen das 2:2, im Elfmeterschießen verlor da Silva den Halt und schoss in kläglicher Manier über das Tor.
Jenas Trainer Henning Bürger, der den Coup nach einem Disput mit dem vierten Unparteiischen Tobias Welz von der Tribüne verfolgen musste, blieb in der Stunde des Triumphes sachlich. „Ich würde diesen Erfolg lieber gegen drei Punkte in der Liga eintauschen“, sagte Bürger. Dass die Siege im Pokal gegen Titelverteidiger 1. FC Nürnberg, Arminia Bielefeld und nun in Stuttgart das Selbstvertrauen in Jena gestärkt haben, verriet aber zumindest Bürgers Wunschlos für das Halbfinale: „Am liebsten in Dortmund.“
Am Rande der Partie fragten die Stuttgarter bei den Thüringern offiziell wegen einer Verpflichtung des Spielmachers Jan Simak an. Der 29-jährige Tscheche könnte bei einem Zweitliga-Abstieg der Thüringer für 500 000 Euro wechseln, ansonsten für eine Million Euro. Nach dem Sieg gegen Stuttgart meinte Simak: „Das war ein ganz normales Spiel für mich, aber ein schöner Sieg für Jena.“
Die BVB-Fans feierten ihre „Helden“ noch lange nach dem Schlusspfiff. Dortmunds Trainer Thomas Doll versprach mehr: „Unser Weg ist noch nicht zu Ende. Das könnte ein richtig gutes 2008 werden.“
Die Borussia darf mit dem Finale im Berliner Olympiastadion (19. April) und dem Einzug in das internationale Geschäft spekulieren. Dazu erweist sich der Pokal für den BVB, anders als in den vergangenen Jahren, als lukrativer Nebenerwerb. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bezifferte die möglichen Einnahmen aus dem Halbfinale auf 1,5 bis zwei Millionen Euro.
