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NWZonline.de Sport Fußball

Neue Foto-Affäre sorgt für Wirbel

15.10.2019

Tallinn In seinem Kerngeschäft als Fußballer machte Ilkay Gündogan in Tallinn eindeutig die bessere Figur. Teamkollege Emre Can misslang das mit seiner Roten Karte. Doch das sportliche Auftreten des Duos im deutschen Nationaltrikot beim 3:0 gegen Estland konnte nicht überdecken, dass die beiden türkisch-stämmigen Profis der Nationalmannschaft und dem Verband mit der später zurückgezogenen „Gefällt-mir“-Reaktion auf ein Bild salutierender türkischer Kicker eine neue Foto-Affäre aufgezwungen haben. Eine ohne Lerneffekt aus den Erdogan-Fotos von Mesut Özil und Gündogan im Sommer 2018.

Von einem Fehler sprach nach Mitternacht in der Arena von Tallinn noch keiner, nicht Gündogan, nicht Can oder Joachim Löw. Der Bundestrainer vertrat sogar die Ansicht, dass der 28-jährige Gündogan als zweifacher Torschütze und Matchwinner „das beste Statement auf dem Platz mit seinem Spiel gegeben“ habe.

Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff hatte versichert: „Ich sehe es nicht so kritisch.“ Erst mit einigen Stunden Abstand schärfte er am Montag via DFB-Internetseite seine Position nach. „Wir haben nach dem Spiel mit den Spielern gesprochen. Sie wissen, dass es ein Fehler war.“, sagte Bierhoff und erinnerte an die Vorbildwirkung der Nationalspieler: „Sie müssen sich der Verantwortung und der Wirkung bewusst sein, die jede ihrer Aussagen und Aktionen, vor allem in sozialen Netzwerken, nach sich ziehen können.“

Diese Wirkung schien Gündogan und Can am Vorabend ziemlich zu überraschen. „Es ist krass, woraus heutzutage Geschichten geschrieben werden“, sagte Gündogan. „Die Medien interpretieren immer alles kritisch“, klagte Can. Dass sie den Militärgruß-Jubel ihres Freundes Cenk Tosun nach dessen Siegtor beim 1:0 gegen Albanien bei Instagram mit einem „Like“ versehen hatten, sei „kein politisches Statement“ gewesen.

Angesichts der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien ließ sich das Liken des Salut-Jubels aber kaum auf einen Glückwunsch an Tosun reduzieren. Gündogan selbst benannte die Problematik der Aktion, die im besten Fall gedankenlos war: „Am Ende ist das immer eine Interpretationssache. Man interpretiert es, wie man es will.“

Der türkische Fußballverband interpretierte das Foto eindeutig. Der Militärgruß von Tosun und dessen Kollegen sei den bei der „Operation Friedensquelle“ eingesetzten türkischen Soldaten gewidmet gewesen. Der Militäreinsatz in Nordsyrien wird international scharf verurteilt, auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Bierhoff warb in Tallinn um Nachsicht und meinte: „Dass das so eine Dimension annimmt, konnte keiner erwarten.“ Diese Aussage erstaunte vor dem Hintergrund der Fotos, die vor der WM 2018 Özil und Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğgan zeigten. Sie lösten eine intensive öffentliche Debatte aus, die nach dem deutschen WM-Desaster zum Bruch Özils mit Deutschland führte.

Die oft spontanen Beiträge der Spieler bei Twitter, Facebook oder Instagram bergen Risiken. Nach einiger Bedenkzeit kündigte Bierhoff am Montag an: „Wir müssen weiterhin daran arbeiten, die Sinne unserer Spieler gerade für den Umgang in den sozialen Netzwerken zu schärfen. Da darf es keinen Raum für Interpretationen geben.“

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