TAMPERE - Zur Einstimmung auf das EM-Auftaktmatch schoben die deutschen Fußballerinnen noch eine ruhige Kugel, im Klassiker gegen Norwegen aber wollen sie Gas geben und Ball und Gegner laufen lassen. Wir wollen das erste Spiel mit drei Punkten beenden, ganz klar. Und ich bin zuversichtlich, dass wir das schaffen, sagte die entspannt und locker wirkende Cheftrainerin Silvia Neid, die ihre Elf bei einem geselligen Bowling-Abend auf die schwere Partie gegen den Rivalen an diesem Montag (16 Uhr, ARD und Eurosport) einschwor. Man sei natürlich schon ein wenig aufgeregt, gerade als junge Spielerin, gab die 19-jährige Kim Kulig zu. Die Mittelfeldspielerin des Hamburger SV, im Vorjahr mit der U-20-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) WM-Dritte, hat gute Chancen, gleich im ersten Vorrundenspiel der Gruppe B ihr EM-Debüt zu feiern. Weil Simone Laudehr vom Uefa-Cup-Sieger FCR Duisburg nach ihrer Bänderzerrung im Knie noch Trainingsrückstand hat, winkt Kulig ein Platz in der Startelf neben Linda Bresonik im defensiven Mittelfeld.
Besondere Verantwortung beim sechsmaligen Europameister und Titelverteidiger hat die Cheftrainerin inzwischen Linda Bresonik übertragen, die in der Mittelfeldzentrale als Nachfolgerin der nach Olympia 2008 zurückgetretenen Renate Lingor kreativer Dreh- und Angelpunkt sein soll. Ich freue mich, dass die Trainerin mir soviel Vertrauen entgegenbringt. Das möchte ich bestätigen, erklärte die flexibel einsetzbare 25-Jährige.
Der Trainerstab hat bei den Norwegerinnen, die beim 1:0 gegen Schweden im letzten EM-Test nochmals intensiv unter die Lupe genommen wurden, einige Schwächen entdeckt. Diese wollen wir mit schnellem und
direktem Spiel ausnutzen, so Neid. Doch ohnehin kennen sich die beiden Teams aus 31 Duelle in- und auswendig: Die Bilanz ist mit 13 Siegen, fünf Remis und 13 Niederlagen ausgeglichen. Bei der EM 2005 in England schlug Deutschland den Rivalen sowohl im ersten Gruppenspiel (1:0) als auch im Finale (3:1); in Peking 2008 schaltete der Weltmeister die Elf von Bjarne Berntsen im Halbfinale mit 3:0 aus diese Serie wollen Birgit Prinz und Co. ausbauen.
Derweil hat sich die Uefa beim DFB bereits vor dem Turnierstart unbeliebt gemacht indem sie dem deutschen Team untersagte, das Abschlusstraining im Stadion durchzuführen. Als Grund wurde angegeben, dass der Rasen geschont werden müsse. Die deutsche Delegation sah indes keinen Grund für die Absage: Die Wetterverhältnisse waren optimal.
