Sinsheim - In Hoffenheim kann sich kaum jemand vorstellen, dass Tim Wiese jemals bei 1899 ins Tor zurückkehrt. Auch der neue Cheftrainer Mark Gisdol sieht den ehemaligen Schlussmann der Nationalmannschaft nur als Nummer drei – obwohl der Brasilianer Heurelho Gomes den Hoffenheimern im Abstiegskampf wegen einer Verletzung nicht mehr helfen kann.
Gomes zog sich beim 3:0 (1:0)-Erfolg am Freitagabend gegen Fortuna Düsseldorf in der Fußball-Bundesliga nach dem Seitenwechsel bei einem Zusammenprall mit Andreas Lambertz einen Bruch der linken Mittelhand zu. Er fällt acht Wochen und damit den Rest der Saison aus.
Wiese beobachtete den Unfall seines im Winter verpflichteten Rivalen von der Ehrentribüne der Sinsheimer Rhein-Neckar-Arena aus. Der langjährige Werder-Profi war erst am Wochenende zuvor ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, nachdem er wegen diverser privater Eskapaden aus dem Kader gestrichen worden war.
Wiese trainierte am Sonnabend zwar engagiert, musste sich aber von Gisdol sagen lassen, dass er auch jetzt nur noch die Nummer drei sei und der 20-jährige Belgier Koen Casteels sein Vertrauen genieße. „Nummer eins ist Koen Casteels und unser U-23-Torwart Jens Grahl die Nummer zwei“, sagte der Trainer und betonte: „Das ist ein Stück weit auch ein Zeichen für unsere Zukunft.“
Falls die Hoffenheimer, die aktuell nur einen Punkt Rückstand auf den FC Augsburg und damit den Relegationsplatz aufweisen, absteigen, wird Wieses bis 2016 laufender Vertrag ungültig. Der 31-Jährige verdient im Kraichgau nach Medienberichten etwa 3,5 Millionen Euro – und 1899 würde ihn lieber heute als morgen loswerden.
Die Verpflichtung des sechsmaligen Nationalspielers, der bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr unter Bundestrainer Joachim Löw noch Ersatzkeeper war, gilt als das größte Missverständnis der Hoffenheimer Vereinsgeschichte – trotz der zahlreichen Trainer- und Managerwechsel der vergangenen Jahre.
