Jerez De La Frontera - Es gibt eine Reihe von Trainingsspielchen auf dem gepflegten Grün inmitten der weitläufigen Golfanlage in Jerez de la Frontera, in denen müssen die Torhüter von Werder Bremen zwangsläufig schlecht aussehen. Weil Tore wie reife Früchte fallen und der Ball im Minutentakt in den Maschen zappelt. Wenn im Trainingslager des Fußball-Bundesligisten in Spanien ständig auf einem abgesteckten Kleinfeld Teams in Überzahl angreifen, können Raphael Wolf (25) und Sebastian Mielitz (24) fliegen und fausten, sich recken und strecken wie sie wollen – gegen die vielen, vielen Versuche sind sie irgendwann machtlos.

Robin Dutt korrigiert dabei die Feldspieler immer wieder; seine Torleute lässt der Trainer hingegen in Ruhe. Zum einen fällt das in den Zuständigkeitsbereich seines Torwarttrainers Marco Langner, zum anderen ist zum Duell um den Platz unter der Latte von seiner Seite doch alles gesagt: „Rapha und Miele wissen, dass sie sich in solch einer Situation befinden, aber die beiden sind ja nicht die Einzigen.“

Es ist aber die mit Abstand spannendste Personalfrage: Der gebürtige Münchner Wolf oder der aus Zehdenick (Brandenburg) stammende Mielitz? Wolf, ein aufgeschlossener Charakter und bereits Familienvater, oder Mielitz, ein loyaler Vertreter, der seit der Kindheit Werder-Fan ist?

Die Leistung spielt eine Rolle, aber auch das Auftreten. Und da fällt dieser Tage schon auf, dass nur die lauten Kommandos von Wolf das Dröhnen von der nahe gelegenen Rennstrecke übertönen, auf der ein Motorradclub gerade Testfahrten absolviert.

Mielitz hat die Ausbootung vier Spieltage vor Ende der Hinrunde tief getroffen. Am Freitag erschien nun Wolf in der Presserunde und auf die Frage, ob es Argumente gebe, die ihn überzeugen könnten, auf die Bank zurückzugehen, antwortete er: „Momentan fällt mir da nichts ein. Aber das ist immer noch die Entscheidung des Trainers.“ Nur einen Rat gab er Dutt: „Ich halte nichts von einem Torwartwechsel alle zwei Spiele, ich finde, es muss eine klare Nummer eins geben.“ Überdies denke er auch, dass er ein anderer Torwarttyp als Mielitz sei. Konkret: „Ich denke, dass ich auf dem Platz eine gewisse Ruhe ausstrahle, dass ich der Mannschaft Sicherheit geben kann. Ich glaube, ich bin ziemlich selbstbewusst.“

Die Ausstrahlung war bei Mielitz oft ein Kritikpunkt. In den Grundtechniken – das ist beim Training offensichtlich – bestehen bei den beiden kaum erkennbare Unterschiede. Und was positiv auffällt: Trotz des Konkurrenzkampfes wird daraus kein Glaubenskrieg veranstaltet. „Am Ende probiert jeder, den Trainer zu überzeugen“, sagte Wolf und versicherte: „Miele und ich, wir verstehen uns gut.“

Eines hat er dem Konkurrenten voraus: Wolf besitzt ein über diese Saison hinaus gültiges Arbeitspapier. Der Vertrag von Mielitz läuft hingegen im Juni aus. Als Mielitz zu Anfang des Trainingslagers gefragt wurde, wie sich die überraschende Zwangspause auf ihn ausgewirkt habe, antwortete er ehrlich: „Das weiß ich nicht. Wenn ich wieder spiele, wird sich zeigen, ob mir das gut getan hat.“

Das nächste Mal spielen könnte er theoretisch an diesem Sonntag. Dann trifft Werder um 15.30 Uhr in einem Testspiel auf den niederländischen Erstligisten NEC Nijmegen. Wer dann das Tor hütet, verriet Dutt am Freitag aber nicht.