Dortmund - Echte Liebe kann es noch nicht sein. Mit der Verpflichtung von Thomas Tuchel beginnt bei Borussia Dortmund eine neue Zeitrechnung. Nach dem Emotionsriesen Jürgen Klopp übernimmt der Taktik-Tüftler aus Mainz von der kommenden Saison an das sportliche Kommando. Zwar geht es bei Tuchel an der Seitenlinie ähnlich emotional zu, doch die fast täglich kultivierte Nähe seines Vorgängers zu den Fans ist ihm eher fremd.

Nicht zuletzt deshalb herrscht in der Revierstadt eine Mischung aus Neugier und Skepsis. Doch die Sehnsucht nach mehr taktischer Variabilität ihres Teams ist selbst bei den Klopp-Fans groß. Das auf gnadenlosem Pressing und schnellem Umschaltspiel basierende Klopp-System, das zu zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg verhalf, gilt als entschlüsselt. Das offenbarte sich zuletzt vor allem in Spielen gegen tief stehende Gegner. Zwar favorisiert auch Tuchel einen ähnlichen Stil, hält aber nicht dogmatisch daran fest.

Dem Vernehmen nach soll es bereits Ende der Hinserie Kontakte zu Tuchel gegeben haben, als der BVB sogar in Abstiegsgefahr geriet. So ist erklärbar, warum nur vier Tage nach dem Klopp-Ausstieg Vollzug vermeldet werden konnte. Der intensive Flirt von Tuchel mit dem Hamburger SV sorgte bei Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc für Zeitdruck. Die Börse reagierte am Montag positiv. Nachdem die BVB-Aktie nach der Abschiedsankündigung von Klopp auf ein Eineinhalb-Jahrestief gefallen war, ging es nun wieder bergauf.

Gespräche des Trios Watzke, Zorc und Tuchel über die Kader-Zusammensetzung für die neue Saison dürfte es bereits gegeben haben. So gilt der Abschied des erst im vorigen Sommer für 18,5 Millionen Euro verpflichteten Torjägers Ciro Immobile als sicher. Zudem werden Henrich Mchitarjan und Adrian Ramos als Streichkandidaten gehandelt. Die abwartende Haltung von Ilkay Gündogan, dem ein Angebot zur Vertragsverlängerung vorliegt, wird zunehmend als Indiz für einen Clubwechsel des Nationalspielers gewertet. Mats Hummels liebäugelte unlängst mit einem Wechsel in das Ausland, falls der BVB nicht zurück zu alter Schlagkraft findet. Routinier Sebastian Kehl beendet seine Karriere. Die verliehenen Profis Jonas Hofmann (Mainz) und Moritz Leitner (Stuttgart) kehren zurück.

Als mögliche Zugänge werden Max Kruse (Mönchengladbach), Kevin Volland (Hoffenheim) und Johannes Geis (Mainz) gehandelt.