Rio De Janeiro/Oldenburg - Die Euphorie über den nächsten Coup auf großer Bühne stand jeder einzelnen Spielerin ins Gesicht geschrieben. Nach dem überraschend hohen Viertelfinal-Sieg gegen Gastgeber Brasilien (32:23) stellte der niederländische Handball-Verband ein Foto online, das die „Oranjes“ im Freudentaumel zeigt.
Mittendrin: Kelly Dulfer vom VfL Oldenburg. Neben ihr hockt Tess Wester, von 2011 bis 2015 in Oldenburg und inzwischen eine der besten Torfrauen der Welt. Weil im Rückraum in Lois Abbingh und Laura van der Heijden zwei weitere Ex-VfLerinnen (jeweils von 2010 bis 2014) wirbeln, schaut der Bundesligist derzeit genau nach Rio.
Für Dulfer (22) sind es die ersten Olympischen Spiele. In ihren jungen Jahren hat die in Schiedam geborene Abwehrspezialistin, die 2015 aus Dalfsen an die Hunte wechselte, schon eine Karriere hingelegt, von der viele Handballerinnen nur träumen. „Wir haben große Möglichkeiten als Mannschaft, und die wollen wir nutzen“, hatte Dulfer während der Vorrunde gesagt.
Bereits im Dezember 2015 war sie mit dem jungen Team um Wester (23), Abbingh (23) und van der Heijden (26) sensationell Vize-Weltmeister geworden. Dass nun auch in Rio eine Medaille winkt, bestätigt die starke Jugendarbeit in dem kleinen Land, in dem der Handball früher keine große Rolle gespielt hat, dank Dulfer und Co. aber viel mehr wahrgenommen wird. Dazu trägt auch bei, dass Torjägerin Estevana Polman (24) seit einiger Zeit mit Fußball-Star Rafael van der Vaart (früher Hamburger SV) liiert ist und die Titelbilder vieler Magazine ziert.
„Wir wollten das genießen“, sagte Wester indes nach dem Auftritt vor 12 000 brasilianischen Fans. Wester steht inzwischen bei der SG Bietigheim unter Vertrag und war bei der WM als beste Torfrau ausgezeichnet worden.
An diesem Donnerstag (20.30 Uhr) geht es im Halbfinale gegen Frankreich, gegen das die „Oranjes“ im ersten Turnierspiel mit 14:18 verloren. „Es wird die Tagesform entscheiden. Ich bin selbst gespannt, wie es ausgehen wird“, sagte VfL-Trainer Leszek Krowicki am Mittwoch. Im zweiten Halbfinale treffen in Weltmeister Norwegen und Russland die beiden Turnierfavoriten aufeinander.
Dass Oldenburg für die Niederländerinnen auch künftig ein Sprungbrett in die Weltspitze sein könnte, spiegelt sich im aktuellen Kader des Bundesligisten wider. Neben Dulfer stehen in Zugang Isabelle Jongenelen (25), die im Sommer die Olympia-Vorbereitung mitmachte, es aber letztlich nicht in den 14er-Kader schaffte, und Inger Smits (21) zwei weitere junge Niederländerinnen im VfL-Aufgebot. Sie werden an diesem Donnerstag mit den anderen VfLerinnen gespannt nach Rio schauen und hoffen, dass Dulfer und Co. den Einzug ins Finale um Gold schaffen.
