Nyon - Erst Michel Platini in Abwesenheit absägen, dann Wolfgang Niersbach zum Retter ausrufen – so soll der Masterplan der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bei ihrer Krisensitzung an diesem Donnerstag aussehen, wenn es nach dem Willen des Uefa-Ehrenpräsidenten Lennart Johansson geht. Der 85-Jährige fordert vor dem Treffen aller 54 Mitglieder in Nyon, den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Nachfolger des suspendierten Uefa-Chefs zu machen, dem er Bestechlichkeit vorwirft.

„Ich habe Wolfgang Niersbach vorgeschlagen, für die Präsidentschaft der Uefa zu kandidieren. Er wäre als Uefa-Präsident ein hervorragender Mann.“

Ganz im Gegensatz zu Platini, der Johansson im Jahr 2007 bei der Wahl in Düsseldorf an der Uefa-Spitze abgelöst hatte. Johansson hält den 60-jährigen Franzosen, der aufgrund einer unerklärten Zahlung von zwei Millionen Euro durch die Fifa für angebliche Beraterdienste von der Ethikkommission des Weltverbands 90 Tage gesperrt wurde, für bestechlich.

Platini hatte für Dienste zwischen Januar 1999 und Juni 2002 erst knapp neun Jahre später von Blatter zwei Millionen Schweizer Franken erhalten. Diese Vereinbarung soll nach Medienberichten auf eine mündliche Absprache und kein schriftliches Dokument zurückgehen.

Nach Ansicht Niersbachs könnte Platini unter der Last der Anschuldigungen zusammenbrechen und doch nicht zur Wahl des neuen Fifa-Präsidenten antreten, die am 26. Februar 2016 stattfinden soll. Laut Niersbach darf zudem die Uefa nicht unter den Vorwürfen gegen Platini leiden.

Es gelte die Unschuldsvermutung, nichts sei bewiesen. Dennoch lasteten die Vorwürfe wie ein Rucksack auf dem Uefa-Präsidenten, „der einen möglicherweise in die Knie zwingen kann“, sagte Niersbach der Wochenzeitung „Die Zeit“. Auf der Sitzung komme es nun darauf an, „ob mindestens die Mehrheit die Situation ähnlich einschätzt wie ich“, sagte Niersbach. Sollte durch den „Fall Platini“ auch die Uefa in die Fifa-Skandale hineingezogen werden, wäre das „fatal“.

Derweil ist ein weiterer Ex- Funktionär gesperrt worden. Lindile Kika, ehemaliger Offizieller des südafrikanischen Fußball-Verbandes, wurde von der Fifa-Ethikkommission wegen Auffälligkeiten bei Testspielen vor der WM 2010 für sechs Jahre suspendiert.