Nyon - Mit scharfer Kritik an der FIFA hat die UEFA auf einen Bericht über die Arbeit der Reformkommission des Weltverbandes (IGC) reagiert. „Die jüngsten Enthüllungen über den Pieth-Bericht zeigen, dass die unabhängige FIFA-Kommission für Governance alles andere als unabhängig war“, twitterte UEFA-Mediendirektor Pedro Pinto am Montag.
Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, dass ein vorläufiger Abschlussbericht von Reformberater Mark Pieth mit kritischen Aussagen zu FIFA-Präsident Joseph Blatter im Frühjahr 2014 von der Rechtsabteilung des Fußball-Weltverbandes entschärft worden sei. Entsprechende Passagen tauchten im Abschlussbericht des Schweizer Top-Juristen dann nicht mehr auf.
„Die FIFA und der IGC haben hinsichtlich der Kommentare vollkommen transparent gehandelt und die Handlungsfreiheit des IGC wird dadurch deutlich, dass von insgesamt 37 Anmerkungen lediglich fünf aufgegriffen wurden. Der veröffentlichte Abschlussbericht ist voll und ganz dem IGC zuzuschreiben“, teilte ein FIFA-Sprecher am Montag auf Anfrage mit. Zu den Pinto-Kommentaren wollte man sich bei der FIFA nicht äußern.
FIFA-Vizepräsident Prinz Ali bin al-Hussein bewertete den Medienbericht indes als „zutiefst beunruhigend“. Es scheine Belege für eine Einflussnahme des Verbands auf den Pieth-Bericht zu geben, befand der Jordanier, der FIFA-Chef Blatter bei der kommenden Präsidentenwahl herausfordern will. „Es hat den Anschein, als sei etwas im Herzen der FIFA-Regierung nicht in Ordnung“, urteilte Prinz Ali und forderte eine Veröffentlichung des Untersuchungsberichts des inzwischen zurückgetretenenen FIFA-Chefaufklärers Michael Garcia zu Korruptionsvorwürfen im Zuge der WM-Vergaben an Katar und Russland.
Pieth bezeichnete das Geschehen laut „Der Spiegel“ indes als „ganz normalen Vorgang“. Im Detail ging es bei der gestrichenen Pieth-Kritik offenbar um Blatters Rolle im Zuge der Affäre um den später zahlungsunfähigen FIFA-Vermarkter ISL.
Pieth hatte mehrfach UEFA-Funktionäre als Blockierer bei den Bemühungen um eine Demokratiereform im Weltverband bezeichnet - namentlich UEFA-Chef Michel Platini und den Spanier Ángel María Villar Llona, beide zugleich seit mehr als zehn Jahren FIFA-Vizepräsidenten.
„Die UEFA hat sich immer gewundert, warum sie von Herrn Pieth kritisiert und fälschlicherweise als Blockierer der FIFA-Reform beschuldigt worden war. Jetzt verstehen wir warum und wo dies alles herkam“, schrieb Pinto. Die Aussagen des UEFA-Sprechers sind das nächste Kapitel in der Auseinandersetzung zwischen der FIFA und dem europäischen Kontinentalverband um die künftige Führung des Weltverbandes.
Bei der Wahl des FIFA-Chefs am 29. Mai in Zürich kommt die Opposition gegen Amtsinhaber Blatter vornehmlich aus Europa. Platini tritt nicht an. Allerdings gelten alle drei verbliebenen Gegenkandidaten als mehr oder weniger verkappte UEFA-Bewerber. Neben Prinz Ali haben der Niederländer Michael van Praag und der frühere Weltfußballer Luís Figo ihre Bewerbung eingereicht.
