VANCOUVER - VANCOUVER/SID/DPA - Gut möglich, dass Silvia Neid bei ihrem Debüt morgen früh deutscher Zeit im kanadischen Vancouver an Berti Vogts denkt. Denn dem ehemaligen Fußball-Bundestrainer hat sie es indirekt zu verdanken, dass sie nun dort sitzt, wo sie eigentlich nie hin wollte: Als Cheftrainerin auf der Bank von Deutschlands Welt- und Europameisterinnen.

„Es war nie mein Ziel, Bundestrainerin zu werden. Vor Jahren hatte ich eher damit geliebäugelt, eine Boutique zu eröffnen“, sagt die 41-Jährige, die offiziell bereits seit dem 1. Juli als Nachfolgerin von Tina Theune-Meyer fungiert.

Und dies nicht zuletzt, weil Vogts Silvia Neid 1995 bei ihrem damaligen Arbeitgeber AOK in Siegen anrief, um sie zu einer Trainerlaufbahn beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu bewegen. Ein Jahrzehnt später ist die blonde Frohnatur an der Spitze angelangt und freut sich auf ihren Einstand in den beiden Länderspielen gegen Kanada morgen in Vancouver und am Sonntag in Edmonton.

Doch Neid weiß auch um die Problematik ihres neuen Jobs. „Natürlich ist es nicht einfach, eine so erfolgreiche Mannschaft zu übernehmen“, bekennt sie angesichts von einem WM-Titel (2003) und drei EM-Coups (1997, 2001, 2005) unter Theune-Meyer. „Es kann nicht jahrelang mit diesen Erfolgen weitergehen. Man muss davon ausgehen, dass es irgendwann einen Bruch gibt.“

Theune-Meyer aber hält ihre ehemalige Assistentin Neid, die im vergangenen Jahr die U 19-Auswahl des DFB zum WM-Titel führte, nach neunjähriger Zusammenarbeit für die ideale Cheftrainerin: „Sie ist einfach die perfekte Nachfolgerin für mich“, sagt sie über ihre extrovertierte Ex-Kollegin.

Die beiden Tests gegen den Weltranglisten-Zwölften will Neid zum Experimentieren nutzen. „Das wird eine gute Prüfung für uns sein“, sagt die neue Bundestrainerin mit Blick auf die Qualifikationsspiele für die WM 2007 in China. Im Herbst trifft die DFB-Auswahl dabei auf Russland (25. September/Siegen), Schottland (20. Oktober/Bayreuth) und die Schweiz (12. November/Ulm).