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NWZonline.de Sport Fußball

„Das ganze Land steht hinter dem Team“

14.07.2018

Vareš /Cloppenburg /Oldenburg Wenn die kroatische Nationalmannschaft an diesem Sonntag (17 Uhr/ZDF) in Moskau nach dem ersten WM-Titel seiner Fußball-Geschichte greift, werden zwei prominente Trainer aus der Sportszene des Nordwestens gebannt vor dem Fernseher sitzen und ihren Landsmännern die Daumen drücken. Vor dem Endspiel gegen Frankreich hat sich die NWZ mit Predrag Uzelac (Fußball) und Mladen Drijencic (Basketball) unterhalten – über die Stimmung im Land, das Geheimnis des kroatischen Erfolgs und die Chancen im Finale.

Das ist Predrag Uzelac

Predrag Uzelac (52) wurde am 17. Februar 1966 in Zagreb (damals Jugoslawien, Hauptstadt der Teilrepublik Kroatien) geboren. Nachdem er Ende der 1990er Jahre für den BV Cloppenburg spielte, war er bei zahlreichen Vereinen im Nordwesten als Trainer tätig (SV Emstek, SV Wilhelmshaven, Hansa Friesoythe, VfB Oldenburg). Nach seinem überraschenden Aus beim VfB, wo er im September 2015 trotz der Tabellenführung in der Regionalliga gehen musste, arbeitete er zuletzt als Chefscout bei den Würzburger Kickers in der zweiten und dritten Liga. Dort wird sein in diesem Sommer auslaufender Vertrag nicht verlängert. Uzelac lebt in Cloppenburg.

Uzelac: „Alle sind stolz“

„Egal, was jetzt noch passiert: Für die Kroaten ist die Mannschaft schon jetzt Weltmeister. Alle sind stolz darauf, was das Team in Russland geleistet hat“, sagt Uzelac, der als Trainer zuletzt beim VfB Oldenburg tätig war. Während der WM war Uzelac für einige Tage in Kroatien und erlebte ein Land im Ausnahmezustand. „Es interessiert nur noch Fußball – nichts anderes“, sagt er.

Auch Drijencic bekam die Begeisterung der Kroaten während seines Heimaturlaubs in Vareš (Bosnien-Herzegowina) hautnah mit. „Am Tag nach dem Achtelfinalerfolg über Dänemark waren wir in Zagreb auf dem zentralen Marktplatz. Dort wurde an jeder Ecke über das Spiel gesprochen, alle trugen das Kroatien-Trikot – vom kleinen Jungen bis zur Oma“, berichtet der Coach des Basketball-Bundesligisten EWE Baskets Oldenburg.

Das ist Mladen Drijencic

Mladen Drijencic (53) wurde am 9. Juli 1965 in Vareš in der jugoslawischen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina als Angehöriger einer kroatischen Minderheit geboren. 1994 floh er mit seiner Familie vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat nach Krefeld. Seit 2013 besitzt er neben der kroatischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Seit 2010 arbeitet Drijencic als Basketball-Trainer in Oldenburg. Im März 2015 wurde er bei den EWE Baskets zum Chefcoach des Bundesligateams befördert. Wenige Wochen später gewann Drijencic mit Oldenburg den deutschen Pokal, 2017 führte er die Baskets zur Vizemeisterschaft. Sein Vertrag läuft bis 2020.

Mannschaftliche Geschlossenheit der Schlüssel

4,2 Millionen Menschen leben in Kroatien, das sind nur halb so viele Einwohner wie in Niedersachsen. Dennoch bringt der seit 1991 unabhängige Balkan-Staat immer wieder Weltklasse-Sportler heraus – nicht nur im Fußball, sondern auch im Handball, Basketball oder Wasserball. „Die Ballsportarten können wir ganz gut“, schmunzelt Uzelac. Insgesamt seien die Kroaten sehr sportbegeistert, Nummer eins sei aber Fußball. „Konkurrenzlos“, betont er. Und aktuell erst Recht. „Es ist faszinierend, wie sich die Leute sich mit der Nationalmannschaft identifizieren“, sagt Drijencic: „Ganz Kroatien steht hinter diesem Team.“

Drijencic und Uzelac sind sich einig: Neben der individuellen Qualität eines Luka Modric (Real Madrid) oder Ivan Rakitic (FC Barcelona) sei die große mannschaftliche Geschlossenheit der Schlüssel des kroatischen Erfolgs. „Der Zusammenhalt ist überragend“, meint Uzelac. Drijencic zieht als Beispiel die deutsche Mannschaft heran. „Das Deutschland von 2014 und das Deutschland von 2018 waren in ihrem Auftreten zwei komplett unterschiedliche Teams“, nennt er den aus seiner Sicht wesentlichen Unterschied zwischen der Mannschaft, die vor vier Jahren Weltmeister wurde und jener, die in Russland kläglich in der Vorrunde scheiterte.

Stars Modric und Rakitic fügen sich ins Kollektiv

Sinnbildlich für die Geschlossenheit der Kroaten sei, wie sich Modric und Rakitic ins Kollektiv einfügten: „Sie sind die Stars dieses Teams, lassen es auf dem Feld aber nicht raushängen und sind sich auch für die Drecksarbeit nicht zu schade.“ Trainer Zlatko Dalic habe das Team „zusammengeschweißt“.

Auch Uzelac bezeichnet den erst gegen Ende der WM-Qualifikation eingestellten Dalic als „Glücksgriff“ des kroatischen Verbandes: „Er macht richtig gute Arbeit und besitzt den großen Vorteil, dass er absolut frei entscheiden kann.“ Dies sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen – da sei es vorgekommen, dass Funktionäre dem Nationaltrainer in die Aufstellung reingeredet hätten.

Drijencic: „Glück braucht es auch“

Ob es für Kroatien zum WM-Titel reicht? „Ich wünsche es mir es natürlich – aber Frankreich ist ein richtig starker Gegner. Man muss abwarten, ob sie genügend Kraft haben“, meint Uzelac mit Blick auf die drei Verlängerungen, die den Kroaten bereits in den Knochen stecken. „Ich habe vor der WM gesagt, dass die Mannschaft mit dem besten Teamgeist Weltmeister wird. Deshalb traue ich es Kroatien zu – aber etwas Glück braucht es auch“, sagt Drijencic.

Unabhängig vom Ausgang des Finals hoffen beide auf einen nachhaltigen Effekt des kroatischen WM-Märchen. So gäbe es im nationalen Clubfußball große Probleme in der Infrastruktur, berichtet Uzelac: „Kein Erstligist hat ein vernünftiges Stadion.“ Der kroatische Sport insgesamt leide unter der schlechten wirtschaftlichen Situation des Landes, meint auch Drijencic: „Es fehlt an Geld, es fehlt an Sponsoren. Ich hoffe, dass man den Schwung der WM nutzen kann.“

Christopher Deeken
Redakteur
Sportredaktion
Tel:
0441 9988 2031

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