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NWZonline.de Sport Fußball

Verletzungen: Vereine umdribbeln Schweigepflicht

24.09.2013

Oldenburg Robin Knoche war fassungslos. Er würde an einer Gürtelrose leiden, erfuhr der 21-jährige Fußballprofi des VfL Wolfsburg vor einigen Wochen über sich aus den Medien. Basis der Meldung war eine entsprechende Mitteilung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Knoche hatte zuvor sehr wohl seine Teilnahme an einem U-21-Länderspiel abgesagt. Allerdings nicht wegen einer Gürtelrose, sondern wegen einer leichten Form einer Herpeserkrankung. Inzwischen ist er wieder kerngesund, beim 2:1 gegen Hoffenheim am vergangenen Sonnabend spielte er 90 Minuten.

Der DFB hatte in jenem Fall vorschnell eine Mitteilung herausgegeben – ohne Rücksprache mit dem VfL Wolfsburg oder gar Knoche selbst. Wann und wie der Begriff Gürtelrose dabei in die Mitteilung geriet, blieb offen.

Werder berät mit Spieler

Der Fall macht deutlich, dass mit bestimmten Arbeitnehmerrechten im Profisport anders umgegangen wird als in der normalen Arbeitswelt. Denn wird ein Arbeitnehmer krankgeschrieben, erfährt nicht einmal der Arbeitgeber, woran der Mitarbeiter denn leidet. Auf der Ausfertigung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (im Volksmund gelber Schein genannt) für den Arbeitgeber fehlt die ärztliche Diagnose. Lediglich die Ausfalldauer ist dort vermerkt.

Dass diese Praxis im Profisport nicht funktioniert, liegt auf der Hand – zu groß ist das Interesse des Arbeitgebers am Gesundheitszustand seiner (meist sehr gut verdienenden) Angestellten.

Bei Werder Bremen werde, so Mediendirektor Tino Polster, „immer in Absprache mit dem Spieler“ beraten, welche Informationen der Fußball-Bundesligist über eine Verletzung eines Spielers an die Öffentlichkeit geben dürfe. Ein solches Vorgehen ist in der Branche weit verbreitet.

Steven Cherundolo (34) von Hannover 96 lehnt das allerdings ab. Der US-Amerikaner hat seinem Arbeitgeber pauschal verboten, Informationen über seinen Gesundheitszustand preiszugeben. Das ist sein gutes Recht, es erschwert der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der 96er allerdings erheblich die Arbeit. Denn wenn Cherundolo mal nicht spielt, schießen sofort die Spekulationen ins Kraut. Und wenn der Fußballprofi vor Tausenden von Zuschauern im Stadion und Millionen Fans vor dem TV verletzt ausgewechselt wird, fragt sich das Publikum natürlich, woran Cherundolo denn nun leide.

Sonderrolle des BVB

Im Jahr 2000 prasselte auf den damals gerade an die Börse gegangenen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund heftige Kritik ein. Der BVB hatte in einer Ad-hoc-Mitteilung über die (später überwundene) Krebserkrankung seines damaligen Profis Heiko Herrlich informiert. Die Begründung: Eine solch schwere Erkrankung eines Leistungsträgers könne den Aktienkurs beeinflussen und müsse deshalb öffentlich gemacht werden. Selbst ein Weihbischof schaltete sich in die dann folgende Diskussion über Gesundheit, Intimsphäre und Kommerz ein.

Ob die Borussia wirklich darüber informieren musste, blieb wegen der nicht trennscharf formulierten Vorgaben für Ad-hoc-Mitteilungen umstritten. In jenem Fall hatte aber Herrlich selbst darum gebeten, seine Erkrankung öffentlich zu machen.

Abseits des Profifußballs, wo der größte öffentliche Druck herrscht, sind derweil feine Differenzierungen möglich. Beim Frauenhandball-Bundesligisten VfL Oldenburg haben die Spielerinnen bei Dingen, „die den sportlichen Bereich“ betreffen, den vom Verein vorgeschriebenen Arzt zu konsultieren, erklärt Geschäftsführer Peter Görgen. Anschließend würden Spielerin, Mediziner und Verein über das Vorgehen beraten.

Handele es sich aber um eine Krankheit, die nicht unmittelbar mit dem Handball im Zusammenhang stehe, sei dies Privatsache der Spielerinnen. Die Auskunftspflicht gegenüber dem Verein habe an dieser Stelle ihre Grenzen. Dabei habe die Spielerin aber, erklärt Görgen, peinlichst genau darauf zu achten, dass sie keine Medikamente zu sich nimmt, die auf der Dopingliste stehen.

Hauke Richters Leitung / Sportredaktion
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